Viva Espana (02.Dez-01. Jan)

Erste Station in Spanien ist Palamos. Wir fahren die Costa del Sol in den Süden. Dankenswerterweise wurden die Mautstationen fast bis Almeria abgebaut und so fahren wir auf den Autobahnen kostenlos. Wir sind erstaunt über den Zustand der Straßen. Alles ausgebaut und tippitoppi. Täglich lassen wir im Schnitt 200-300 km hinter uns, Sprit sparend mit etwas über 80 km/h. Bei Murcia fahren wir ins Landesinnere. Hier ist es etwas bergiger und so windig, dass längere Spaziergänge gar nicht möglich sind. Der Ömmel wackelt die ganze Nacht und wird kräftig durchgeschüttelt.

Von Palamos aus haben wir Barcelona links liegen lassen und fuhren an der Küste südlich über Tarragona, Valencia, Cartagena bis in die Schlangenbucht. Ziel vieler sonnendurstiger winterflüchtender Camper. An die 100 Stellplätze gibt es hier. Der Platz ist direkt am Strand. Die Regeln sind locker. Die Atmosphäre ist entspannt, freundlich und friedlich und es hat den Eindruck, dass die Menschen dankbar sind, hier sein zu dürfen. 

Am darauffolgenden Morgen haben auch wir ein Plätzchen in der ersten Reihe erwischt. Das Wetter hat sich beruhigt, der Wind hat sich gelegt und jetzt geht auch schon mal T-Shirt. Die Temperaturen bewegen sich so zwischen 17-20 Grad.

Hier in der Schlangenbucht werden wir erst mal ein paar Wurzelchen schlagen. Sie ist so ziemlich in deutscher Hand. Ralf ist schon lange hier und er weiß Bescheid, wie der Hase läuft. Bärbel kommt jeden Mittwoch mit ihrem "Kuckuck - da bin ich wieder!"-Transporterchen und bringt vom dunklen Dinkelbrot über Kohlroulade mit Soße zum Versunkenen Apfelkuchen mit Eierlikör alles, was das deutsche Herz begehrt (s. Speisekarte). Paella ist leider keine dabei und man wird hier, ob man will oder nicht, zum "typisch deutschen Rentnerpaar".

Nun sind wir schon 5 Tage am Playa de Percheles und es ist so schön, dass wir nicht weiterziehen wollen. Jeden Tag machen wir die schönsten Spaziergänge über die Klippen hin zu anderen Buchten und unser vierbeiniger Freund ist hellauf begeistert. Das Wetter ist traumhaft. Die Sonne scheint fast jeden Tag und wir haben um die 20 Grad. Nur ins Wasser haben wir uns noch nicht getraut. Jeden Abend überrascht uns der Himmel von Neuem mit seinen Farben.

Da die Sonne sehr tief steht werden unsere Module auf dem Dach nicht ausreichend gespeist, weshalb wir uns noch ein externes Solarmodul zugelegt haben. Jetzt funzt es auch mit dem Strom! Entsorgung und Wasser besorgen wir an der Tankstelle im Ort, in dem wir uns auch lebensmitteltechnisch ausreichend versorgen können.

Nach 10 Tagen Schlangenbucht geht’s nun morgen (Samstag, 18.12) weiter. Wir wollen auf einen Stellplatz, um uns auch wieder ordentlich mit Strom zu versorgen. Seit 3 Tagen hat sich die Sonne zurückgezogen und unsere Batterien leiden etwas. Es ist mehrheitlich bewölkt und auch die Temperaturen sind zurückgegangen. Morgens und abends ist es sehr frisch und der Wind pfeift um die Ohren.

 

Wir haben hier eine perfekte Zeit verbracht. Die Kulisse von unserem Standplatz aus ist – besonders nach Sonnenuntergang – so schön, dass es schon kitschig ist.

Joschi hat sich auch extrem wohlgefühlt und er ist noch einmal näher gerückt. Er liebt die täglichen Spaziergänge mit dem gesamten Rudel und passt am Platz gut auf, dass uns nix passiert.

Vorgestern hatten wir einen Einkaufstag. Alle waren im Auto startbereit und Klaus ging nochmal die Keile wegräumen. Da ist das rumänische Hundsgestöber unbemerkt wieder aus dem Womo entwischt. Wir habens dann nach einer halben Stunde gemerkt und mussten alles wieder zurück und den Kerl einladen, der brav auf dem Platz auf unsere Wiederkehr wartete. So ein Schlawiner!

 

Nach 1-2 Nächten auf dem Stellplatz und voller Batterie geht es dann weiter zur nächsten Bucht in der Nähe von Aguilas: Ein Parkplatz, wo wir auch wieder frei und autark stehen und euch dann wieder Neues berichten können.

Weihnachten an einem besonderen Küstenabschnitt:

 

Nach der Weiterfahrt und zwei Nächten auf einem ziemlich hässlichen Stellplatz war unsere Batterie wieder gut geladen und es konnte ein Stückchen weiter Richtung Süden gehn. In diesenTagen hatten wir auch wieder 2 Notoperationen am Ömmel. Zuerst war die Zufluss-Wasserleitung zur Toilette undicht. Das war kein Problem. Nach Ankunft am Playa La Carolina hat aber die Druckpumpe versagt. Und da ohne Wasser ein freies Campieren nicht möglich ist, gings also wieder zurück nach Cartagena, einem 90 km nördlicher gelegenen Campingausstatter, wo wir zum Glück eine neue Pumpe erstehen und auch gleich einbauen konnten. Unser Ömmel ist und bleibt halt ein Montagsauto!

 

Nun stehen wir also wieder in einer schönen Bucht, bzw. eigentlich zwischen zwei aneinanderliegenden Buchten. Ein großer Parkplatz direkt am Meer, kostenlos, und mit Abfallentsorgung. Ver- und Entsorgung ist an einer nahegelegenen Tankstelle möglich. Zum Einkaufen können wir nach Aguilas mit dem Fahrrad fahren. Aguilas ist die Stadt der weißen Tauben und es war schön, auch mal wieder in der "Zivilisation" in einem Café ein Roséchen zu trinken.

Der Wetterbericht zeigt hier schon seit einer Woche nur Wolken, dennoch haben wir auch immer wieder ein bisschen Sonne. Einige Hartgesottene sind auch ab und zu im Meer. Gestern, am Heiligabend haben wir es ihnen dann zur Feier des Tages gleichgetan. Wenn man einmal drin ist, geht es sogar.

 

Die Region, in der wir stehen, nennt sich „Quatro Calas“ – „4 Buchten“. Das ist ein Naturschutzgebiet von besonderem geologischen Interesse. Es umfasst die Buchten Calarreona, Higuerice, Carolina und Los Cocedores. Die Erosion von Wind und Meer hat dort eine einzigartige Landschaft mit zahlreichen vulkanischen Aufschlüssen durch den Vulkan Punta Parda geschaffen. Hier hat die Espartograskocherei eine lange Tradition, die bis tausende Jahre v.Chr. zurückreicht. Aus Espartogras wurden Fischernetze, Taschen, Seile und auch Kleidungsstücke gefertigt. Espandrilles sind z.B. aus Espartogras hergestellt. Das Gras wurde zuerst ausgerissen, dann getrocknet und im Meerwasser unter Sonneneinstrahlung aufgeweicht, quasi gekocht. Anschließend wurde es mit Hammer und Harke behandelt bis es biegsam genug war, um mit einem Spinnrad zu Fäden gesponnen zu werden. In den Felsbuchten befinden sich viele kleine Schutzhöhlen, wo die Handwerker Unterschlupf hatten und gearbeitet haben. Heute noch wird die Tradition aufrechterhalten und man kann Werkstätten besichtigen und Artikel aus Espartogras kaufen.

 

Auf unseren Ausflügen ist Joschi immer vorneweg. Wir haben mit ihm einen perfekten Bergführer und vermuten, dass seine karpatinischen Gene dahinterstecken. Wenn wir noch nach gangbaren Wegen suchen, findet er oft die besten Pfade durch die zerklüftete und mit Rissen durchzogene Felsenlandschaft. Er genießt diese Wanderungen und klettert umsichtig und sicher und fühlt sich hütehundwohl.

 

Wir werden wohl noch ein bisschen in der Gegend bleiben, weil sie auch die wärmste zu dieser Jahreszeit ist. Ihr hört wieder von uns wenn es neues Berichtenswertes gibt.

Euch wünschen wir noch schöne Feiertage, bleibt gesund und kommt gut ins nächste Jahr.

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Kommentare: 4
  • #1

    Beate (Samstag, 18 Dezember 2021 09:37)

    Super! Genießt es! Ich bin gespannt auf den Bericht vom neuen Standort.

  • #2

    Marianne (Samstag, 18 Dezember 2021 19:00)

    Hola amigos, como estáis. Espero muy bien. España me gusta mucho. Jetzt geht es deutsch weiter. Jetzt seid ihr schon wieder einen Tag weiter auf eurer ganz großen Strecke. Gut, dass eure Ausrüstung so perfekt ist, damit alles funktioniert. Dass eurem großen Begleiter das auch alles gefällt, ist großartig. Nach dem letzten Foto zu urteilen, habt ihr euch frisurmäßig ihm schon etwas angeglichen. Buen Viaje!

  • #3

    Heike Krüger (Donnerstag, 23 Dezember 2021 12:52)

    Hallo Ihr Drei,

    da wird man richtig neidisch, ihr habt alles richtig gemacht �hier herrscht gerade fast sibirische Kälte also nix mit Tshirt . Wir wünschen euch weiterhin viel Sonne (auch für die Panels) und ein friedvolles Weihnachten

  • #4

    Markus (Samstag, 25 Dezember 2021 19:50)

    Feliz navidad!