Land + Leute

Spanien hat ca. 47 Mio Einwohner:innen; ist aber ein ganzes Stück größer als Deutschland und somit viel geringer besiedelt.

Andalusien lebt wohl neben dem Tourismus von seiner Agrarwirtschaft. Was auffällt sind hier die großen Plantagen über weite Gebiete hinweg mit dem Anbau von Obst und Gemüse, überwiegend Tomaten, Paprika, Gurken, Mandarinen und Orangen, aber auch Wein. Arme Hungerleidende – dem Aussehen nach vermeintlich überwiegend aus afrikanischen Ländern - arbeiten hier den ganzen Tag. Wir sehen, wie sie jeden Morgen mit riesigen Bussen zu den Plantagen gefahren und abends wieder abgeholt werden. Es hat uns schockiert, wie die Arbeitenden in der Nähe der Plantagen untergebracht sind. D.h., sie sind nicht untergebracht, man hat ihnen keine Unterkünfte zur Verfügung gestellt. Sie haben sich selbst Behausungen gebaut aus Holzabfällen, Plastikplanen, Steine, Seile … Man kann dieses Wohnen nur als Slum bezeichnen – und das in Europa!

Die Plantagen sind zum größten Teil mit Planen abgedeckt. Besonders die Gegend um Almeria ist ein riesiges Plastikmeer, das selbst vom Weltraum aus noch zu sehen ist. Wichtigster Abnehmer des Obstes und Gemüses ist Deutschland. Im Jahr 1963 kam ein Bauer auf die Idee mit dem Plastik, um zu verhindern, dass der Wind Saat und Erdreich mit sich trägt. Heute dient es zusätzlich als Schutz vor Schädlingen, die innerhalb der Plastikplantagen oft biologisch mit Nützlingen bekämpft werden.

 

Die Landschaft ist sehr trocken. Andalusien ist die wärmste Region Europas. Alles ist staubig, steinig und spärlich bewachsen. Mancherorts so trocken, dass die Erde so rissig ist, wie man es nur von Dürregebieten kennt. In der Nähe von Tabernas gibt es die einzige Wüste Europas. Die Berg- und Hügelformationen, die durch Steine und Sand in dieser Landschaft geschaffen wurden, sind einzigartig und sehr beeindruckend.

 

Auf uns macht das Land außerhalb der Städte einen oft ärmlichen Eindruck. Vielleicht auch noch eine Auswirkung der Immobilienkrise 2008. Wir sehen viele Bauruinen, halb fertige Gebäude und viele leerstehende Häuser und Wohnungen. Vermeintlich darunter auch Ferienunterkünfte, die wegen der Coronapandemie nicht fertiggestellt wurden und/oder jetzt leer stehen.

In San Jose an der Küste gibt es ein riesiges Gebiet, das vor der Immobilienkrise als Bauland geplant war. Prächtige Palmenalleen führen durch eine Geisterstadt. Einige Musterhäuser stehen leer und halb verfallen in einem Areal mit vertrockneten Palmen und Straßen, die ins Nirgends führen. Es gibt Ampeln und Zebrastreifen ohne Menschen, die sie brauchen könnten. Durch den Straßenbelag wachsen Büsche und Gräser, die sich die Natur zurückerobern.

Etwas weiter dann auch wieder die schönsten und herrschaftlichsten Finkas und Villen der Besserbetuchten.

Die blitzsauberen, manchmal fast mondänen kleinen Badeorte an den Stränden mit ihren zahlreichen weißgetünchten Unterkünften und Ferienwohnungen sind im Winter verwaist, aber die vielen leerstehenden Geschäfte und kleinen Läden lassen erahnen, wieviele Touristen es im Sommer hier her zieht.

 

Die Straßen sind in der Regel in sehr gutem Zustand. Die Autobahnen sind (wohl durch europäische Förderung?) fast besser als in Deutschland und – leer. Manchmal fahren wir minutenlang, streckenweise geistermäßig, ohne dass uns jemand auf der Gegenfahrbahn entgegenkommt oder jemand überholt. Ab Höhe Cartagena Richtung Süden sind sie wieder mautpflichtig. Die Gebühren sind nicht so hoch wie in Frankreich. (bspw. von Cartagena bis Aguilas, ca. 90 km, 11 Euro).

Lustig und unverständlich ist, dass an den Bezahlstellen Mitarbeiter:innen in Häuschen sitzen und abkassieren. Wie sich das rechnet, wenn vielleicht alle 5 Minuten jemand vorfährt, ist uns ein Rätsel.

Das Benzin ist wesentlich günstiger als in Deutschland, zwischen 1,25 und 1,35 Euro der Liter Diesel.

 

Die Ausgaben für Lebensmittel sind leicht günstiger. Leider haben wir bisher meistens in Supermärkten und weniger auf Märkten einkaufen können, weil wir noch keine gesehen haben. Wir hoffen, dass sich das noch ändert.

Für Haushaltswaren gibt es riesige chinesische „Euromärkte“ mit einem unüberschaubaren Sortiment an allen nur erdenklichen Dingen.

 

Die meisten Spanier:innen haben wir bisher in der Regel als offen, hilfsbereit und gastfreundlich erlebt. Ob das im Sommer mit seinen Touristenscharen anders ist, wissen wir nicht.

Das Wildcampen wird bisher meistens geduldet. Vor den großen Parkplätzen an den Stränden befinden sich zwar oft Camping-Verbotsschilder, aber es wird selten und – von Region zu Region unterschiedlich oft - kontrolliert. Bisher wurden wir nur einmal von der örtlichen Polizei des Platzes verwiesen.

Von daher sehen wir Südspanien als ausgesprochenen Camping-Wintertipp. Die leeren, verlassenen Geisterstädtchen mit den ebenfalls verwaisten Unterkünften lassen erahnen, welcher Massentourismus hier in den wärmeren Monaten wohl herrscht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Marianne (Montag, 24 Januar 2022 16:42)

    Hallo ihr Spanien-Genießer,
    genießen würde ich auch gerne, aber altersgerechter müsste es schon sein. Wunderbar, was ihr alles sehen und entdecken könnt. Wir waren oft in Jaca im Norden Spaniens. In dieser Gegend gibt es auch Geisterdörfer durch die Landflucht. Autofreie Straßen, welcher Luxux. Ich wünsche euch noch viele schöne Tage dort und interessante Entdeckungen. Liebe Grüße, Marianne

  • #2

    Marianne (Samstag, 12 März 2022 19:05)

    Ja, die Realität in vielen Ländern kann auch grausam sein. Diese Art Armut und Tristesse kenne ich auch. für mich ist das nicht gut, denn ich habe oft geweint. Leider holte es mich manchmal noch zu Hause ein. Die vielen schönen Dinge und Erlebnisse sind aber doch Bleibendes und tun gut. Ich bin beruhigt, dass es euch gut geht. Ich hatte gehofft Ronja an ihrem Geburtstag hier zu sehen, aber leider sah ich sie nicht. Schön munter bleiben und weiterhin gute Reise. Marianne