Und in der Früh ruft schon der Muezzin (18.-25.5.)

Jetzt ist es soweit: Nachdem wir bei Radozda am Ohridsee über die Grenze fahren und unsere erste Nacht auf dem CP Lira am Ohridsee verbringen, weckt uns um halb 5 Uhr morgens der Muezzin aus dem Dorf.  Während die Religionszugehörigkeit in Albanien zu zwei Dritteln muslimisch und einem Drittel christlich ist, ist es in Nordmazedonien gerade umgekehrt. Dennoch zeigt sich die Gesellschaft muslimischer. Viel mehr Frauen tragen Kopftuch oder gar die übliche bodenlange Bekleidung, es gibt sehr viele Moscheen und in den Kaffeehäusern sind die Männer eindeutig in der Überzahl. Vielleicht ist dies auf die spannungsreiche Vergangenheit mit der albanischen Bevölkerungsminderheit (Befreiungskämpfe der UCK 2001) zurückzuführen und das Bedürfnis nach eigener Identität drückt sich deshalb verstärkt aus. Albanisch ist heute auch in Nordmazedonien zweite Amtssprache und nordmazedonische und albanische Kinder werden in verschiedenen Schulen oder zumindest in getrennten Klassen unterrichtet.

 

Wir bleiben einige Tage am wunderschönen Ohridsee, zwei davon übers Wochende unfreiwillig, da wir feststellen, dass uns die Bank in Struga einen einmalig abgehobenen Betrag zweimal abrechnet und wir deshalb montags nochmal auf die Bank müssen.

Aber dann geht’s weiter Richtung Skopje. Unterwegs machen wir Halt an der Matka Schlucht und eine kleine Wanderung. Die Hauptstadt Skopje zeigt sich dann im postsowjetischen Charme mit viel herrschaftlicher Heldenverehrung und einem großen Bazar-Stadtteil für die Touris. Da gerade Feiertag ist, sind die Bewohner:innen ausgeflogen und die Reinfahrt mit unserem Ömmel kein Problem.

 

Weiter Richtung Osten fahren wir durch saftige Wiesen, liebevoll bearbeitete Felder, wunderschöne Berge und Täler und stünden in den Dörfchen nicht immer wieder Minarette, könnte die Landschaft auch im Schwarzwald, in der Schweiz oder in Österreich sein. Ein ganz besonderes Farberlebnis bereiten die vielen riesigen Felder mit rotem Mohn.

 

Auf der Fahrt zu unserer letzten Etappe sitzt mitten im Grün eine Feiergesellschaft, die uns freundlich zuwinkt und uns bedeutet, doch anzuhalten und uns zu ihnen zu setzen. Das machen wir auch und es wird ein richtig schöner (feucht)fröhlicher Abend. Alles home made, vom Brot über Kartoffelnudeln zum Raki. Es wird erzählt und viel gefragt und auch der Ömmel wird staunend besichtigt. Erst im Dunkeln fahren wir ganz leicht angedödelt zu den „Stone Dolls“, eine wirklich witzige Stein-Sand-Formation, die ganz skurille Figuren erschaffen hat. Die schauen wir uns am nächsten Tag nach mal wieder einer Ömmel-Treppen-Reparatur an und fahren dann weiter Richtung Bulgarien.

 

Nordmazedonien hat uns super gut gefallen. Die Menschen sind ausgesprochen (gast)freundlich, gut gelaunt, entspannt und ehrlich. Des öfteren waren bei Fragen oder Problemen sofort hilfsbereite Menschen zur Stelle, die Deutsch konnten und Übersetzungshilfe leisteten.

Im Straßenverkehr sind die Mazedonier:innen super freundlich, defensiv und rücksichtsvoll. An jedem Zebrastreifen wird gehalten und Hupen und Rasen ist tabu.

Das Fahren war mit ca. 1,40 Euro/L Diesel ziemlich günstig und Lebensmittelkauf und Essengehen auch.

Nicht so schön war, dass Hunden auffällig oft mit Misstrauen oder gar Angst begegnet wird. Zu unserem Erschrecken gab es auch immer wieder Streuner, die vorbeifahrende Autos aggressiv angegangen sind.

Meer gibt’s ja auch keins. Aber alles andere war so schön, dass wir es auch nicht vermisst haben.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Heike Krüger (Dienstag, 07 Juni 2022 13:27)

    Hallo ihr lieben, wieder tolle Einblicke in euer Normadenleben�macht es gut auf euren weiteren Abenteuern.

  • #2

    Hans (Freitag, 24 Juni 2022 09:58)

    Hallo Ihr Zwei,

    echt geil . All diese wunderbaren Eindrücke. Echt toll.

    LG Hans

  • #3

    Marianne (Dienstag, 05 Juli 2022 16:55)

    Meine Schwägerin Lepa ist aus Skopje, die über 50 Jahre hier lebt und arbeitete. Die Fülle an Obst und Gemüse wird auch sie sich nicht vorstellen können. Wund4rbare Eindrücke, Dankeschön.