Die Kravica-Wasserfälle in Bosnien sind sehr schön, aber total überlaufen. Hunderte Touristen aus aller Welt zahlen hier schon Eintritt, um überhaupt auf den Parkplatz zu kommen und dann noch einmal für den Park. Wir parken vor den kostenpflichtigen Parkplätzen und kommen dort mit einem Kioskbesitzer ins Gespräch, der selbstgemachte Liköre verkauft. Wir probieren einige durch (hicks) und entscheiden uns für einen Erdbeerlikör. Es ist schon Nachmittag und der Mann fährt uns mit seinem Auto kostenlos in den Park hinein. Was wir mit dem Untergang der Sonne hier noch sehen, reicht uns und am nächsten Morgen geht es schon weiter.
In Mostar stehen wir direkt am Eingang zur nächsten Touristenattraktion: die Brücke von Mostar. Auch hier Heerscharen an Menschen, um diese eine Brücke zu sehen. Nix für uns. Am Abend leeren sich zum Glück die Gassen und die schöne Beleuchtung, die entspanntere Atmosphäre und ein gutes Essen versöhnen uns mit Mostar.
Auf dem Weg zu den „bosnischen Pyramiden“ fahren wir durch eine tolle Landschaft und sehen aber leider auch noch zum Teil zerstörte Dörfer durch die Flutkatastrophe, die die Menschen hier vor zwei Wochen heimgesucht hat.
Von Visoko aus kann man zu den "Bosnischen Pyramiden" wandern. Hier hat ein pfiffiger Bosnier eine zündende Geschäftsidee gehabt. Er hat angeblich mit anderen Unterstützern herausgefunden, dass die fünf Pyramiden bis zu 27.000 Jahre alt sein könnten und von einer prähistorischen Hochkultur erschaffen wurden. Somit also die ältesten Pyramiden der Welt. Die mit einem Tunnelsystem verbundenen Pyramiden strahlen eine ganz besondere Energie aus, welche Esoteriker aus der ganzen Welt in beseelten Zustand versetzen. Die kosmische Energie kann man unter und auf den Pyramiden tanken. Wem das nicht reicht, kann sich noch mit Heilwasser und heiligen Steinen eindecken.
Die Wissenschaft geht hier übrigens von einer natürlich entstandenen geologischen Besonderheit aus, aber Glaube versetzt ja bekanntlich Berge.
Wir sehen uns das Ganze von Weitem an und wandern nur einmal bis zur „Mondpyramide“.
Wegen des Nebels haben wir aber nicht so viel gesehen und eine kosmische Verbindung und energetische Aufladung hat auch nicht geklappt. Petrus war die Tage nicht gut drauf. Extra wegen Wäschewaschen auf den CP und dann ist es so neblig, dass das Trocknen zwei Tage dauert.
Auch in Visoko kann man leider noch die Schäden der Überschwemmungen sehen. Der Fluss trat auch hier viele Meter über die Ufer. Das Ausmaß ist noch daran zu erkennen, wieviel Unrat und Müll in den Uferbäumen hängt.
Einen Tag verbringe ich in dem 24 km entfernten Sarajewo, das mit Zug und Bus sehr gut zu erreichen ist. Die beiden Jungs bleiben zu Hause. Der Stadtbesuch wird für Weihnachtseinkäufe (ja – bald ist´s schon wieder soweit!) genutzt, außerdem der türkische Basar besucht und ein Museum, das an die Gräueltaten des Krieges erinnert.
Dinarisches Gebirge oder Dinarische Alpen
Nach Konjic geht’s offroad weiter. Wir fahren durch eine ganz herrliche Landschaft, die Sonne kommt wieder raus und taucht alles in goldenes Herbstlicht. Es geht höher und höher über über Schotterwege mit vielen Schlaglöchern und wir landen auf einer Hochebene, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Josch ist glücklich: eine weite, überschaubare Landschaft, keine Feinde weit und breit, Toben durchs Gras, der Blick in die Ferne – alles mir!
Diese Gegend ist sehr sehr dünn besiedelt. Wir stehen völlig alleine und es findet auch kein weiterer Mensch hier vorbei. Wir stehen an einem kleinen, jetzt verlassenen Hirtenhäuschen. Nachdem die Sonne sich verabschiedet hat wird es ganz schnell stockduster – Klaus würde sagen, so dunkel wie in einem Bärenarsch – und sehr sehr kalt. Zum Glück ist ja unser Häuschen geräumig und die Dieselheizung steuert das ihre bei.
Am nächsten Tag wird der Berg bestiegen und diese ungewöhnliche Landschaft bestaunt und genossen.
Immer noch im Dinarischen Gebirge fahren wir in den Sutjeska Nationalpark. Nachdem wir uns eine halbe Stunde mit schlaglochübersäter Schotterpiste abgequält haben, erreichen wir den Eingang zum Park. Er ist mit einer Schranke gesichert und bei einem Parkwächter wechseln Ticket und 10 Euro ihre Besitzer. Noch fast eine Stunde geht es abenteuerlichem Weg weiter bergauf bis wir auf einem kleinen Plateau unseren neuen Stellplatz erreichen. Der Ausblick ist atemberaubend schön. Eine grandiose Bergwelt tut sich rundherum auf.
Am nächsten Morgen ist das Tal wolkenverhangen und wirkt wie ein wogendes Meer. Bei uns schein die Sonne und Wandern ist angesagt. Von hier aus gibt es drei spektakuläre Wanderrouten. Wir entscheiden uns für eine mittelschwere, da es zum Gipfel des Maglic für Josch leider zu gefährlich wäre. Einige Abschnitte sind hier nur mit Seilsicherung zu bewerkstelligen und das schafft selbst unser Bergzicklein nicht.
Am See angekommen befinden wir uns auf der Grenze zu Montenegro. In Montenegro steht ein kleines Hüttchen, das von einem älteren Mann, der auch als Parkwächter fungiert, bewohnt ist. Zwei Pferde sind für ihn der Außenkontakt zur „Zivilisation“. Mit ihnen trägt er Lebensmittel und sonstige Sachen für seinen Bedarf aus dem Tal hier her. Wir bekommen für 4 Euro nochmal zwei Tickets, einen Kaffee und einen Tee und nach einer Jause geht’s dann wieder zurück.
Als wir auf unserem Stellplatz ankommen, stehen da zehn Bosnier, die mit ihrem VW-Bus hier hochgekommen sind. Insgesamt zählen sie 18 Männer, die sich jeden Mittwoch zu einem Ausflug treffen. Heute war die Besteigung des Maglic an der Reihe. Mit ihnen verbringen wir mit viel Sliwowitz und Essen und Trinken einen feuchtfröhlichen wunderschönen Abend.
Am nächsten Tag verlassen wir den Nationalpark Sutjeska wieder bei dem freundlichen Parkwächter und fahren weiter durchs sehr spärlich besiedelte wunderschöne Dinarische Gebirge nach Montenegro.
Wir fanden Bosnien und Herzegowina sehr schön, die Leute meist freundlich, zugewandt, herzlich und immer hilfsbereit – besonders auf dem Land bzw. im Dinarischen Gebirge. Diese Berglandschaft beeindruckt durch ihre außergewöhnliche Schönheit. Fast menschenleere Weiten, saftiges Grün auf weichen Hügeln, in der Sonne glänzende Bergspitzen und in der Nacht nur Ruhe, Dunkel und Sterne.
Grafisch besteht das Land aus einem größeren Teil Bosnien im Norden und einem kleinen Teil Herzegowina im Süden. Es hat etwas mehr als 3 Mio Einwohner, Tendenz abnehmend, da viele junge Menschen emigrieren.
Bosnien-Herzegowina ist auch 30 Jahre nach dem Krieg ein sehr fragiles Staatsgebilde.
Das Verhältnis der Bevölkerung ist gut zur Hälfte bosniakisch (muslimisch), ca. 30 Prozent serbisch und ca. 15 Prozent kroatisch. Die zivilgesellschaftliche und politische Zusammenarbeit ist weiterhin angespannt und die verschiedenen Ethnien schaffen es leider immer noch nicht, eine gemeinsame gesellschaftliche Agenda und politische Stabilität für den Aufbau ihres Landes zu entwickeln.


































































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