Tunesien 1 (30.11. - 09.12.2024)

Von Tunis bis Chenini, 30. Nov - 9. Dez

Gleich zu Beginn gibts auf der Fähre wieder Ärger wegen Joschi. Wir sollen mit Hund nur aufs Außendeck. Bei regnerischem Wetter, Windstärke Weißnichtwieviel und 12 Stunden Fahrtdauer hatten wir keine Lust auf Diskussionen und buchten noch eine Kabine nach. Auf dem Schiff befanden sich überwiegend Tunesier*innen auf der Heimfahrt und es gab in allen Abteilungen ein großes Tohuwabohu und auf den Gängen und zwischen Sitzplätzen schliefen die LKW-Fahrer, sodass die Ruhe in der Kabine doch von Vorteil war.

Joschi kommt zwar von der Straße, weiß sich aber trotzdem zu benehmen. Ohne Bäumchen, Sträucher, irgendeinem anderen Grün und zivilisierter Distanz hinterlässt er keine kleinen Geschäftchen – und große schon gar nicht. So heißt es auch diesmal wieder: lange Einhalten.

Um 23 Uhr ergeben wir uns nach Ankunft in Tunis dem Einreiseprozedere. Es ist ein chaotisches und für uns nicht zu durchschauendes System von mehreren Passkontrollen durch verschiedene umherstehende und in unterschiedlichen Häuschen sitzenden Kontrolleuren. Aber letzlich kommen wir doch unerwartet zügig und ohne Komplikationen durch.

 

Unsere erste Ruhestätte finden wir ca. 25 km weiter auf einem deutschen Soldatenfriedhof in Bordj Cedria, auf dem über 8.000 Soldaten beerdigt sind; gefallen im Tunesienfeldzug von Nov 1942 bis Mai 1943. Wie auf den Inschriften zu erfahren ist, waren viele der toten Soldaten noch sehr jung, unter oder gerade etwas über 20 Jahre. Der Friedhof ist sehr schön gestaltet und eine würdige Erinnerungsstätte.

Wir fahren an der Küste entlang weiter in den Süden und machen Halt in Hammamet, Sousse und Monastir, schlendern dort durch die Medinas, genießen erste tunesische Speisen und fühlen uns in den ersten Tagen in der tunesischen Kultur und mit deren Menschen erstmal sehr wohl. Die Tunesier*innen begegnen uns sehr freundlich und zugewandt, es gibt unglaublich viele Katzen, fast keine Straßenhunde (wo sind sie?) und leider wieder sehr viel Müll.

Kerkennah

In Sfax setzen wir auf die Insel Kerkennah über, wo wir uns erst einmal polizeilich registrierten lassen, damit uns nichts passiert. Tunesien weiß aus Sicherheitsgründen gerne, wo sich ihre Tourist*innen befinden.

Auf Kerkennah leben viele vom Fischfang, den sie auf dem Festland verkaufen und außerdem haben sich viele finanziell besser gestellte Tunesier*innen hier ein Anwesen gekauft und manchmal villenmäßige und hochmoderne Häuser darauf errichtet.

Kerkennah ist eine sehr flache Insel, so flach, dass ihre höchste Erhebung gerade mal 30 m beträgt. Durch das steigende Wasser im Mittelmeer rechnet die Wissenschaft damit, dass bereits 2030 große Teile der Inseln im Meer verschwunden sein können. Auch sonst ist der Aufenthalt für uns eher bedrückend. Der Grundwasserspiegel sinkt immer tiefer, so dass die Olivenbäume und andere Anpflanzungen nur noch unter großen Anstrengungen bewässert werden können. Der Boden versalzt. Ein Teil der einst zahlreichen Palmen steht schon nurmehr als Gerippe da. Hinzu kommt unendlich viel Müll und starker Wind und Regen, so dass wir nach zwei Tagen wieder aufs Festland zurückkehren.

Von Sfax aus fahren wir in den Südosten, ins Dahar-Gebirge

Bereits vor tausenden von Jahren hat sich hier das indigene und oft verfolgte und zurückgedrängte Volk der Berber angesiedelt und befestigte Lehmdörfer errichtet. Sie bauten Höhlenwohnungen, die Troglodyten, aus Lehm und Naturstein in der Ebene nach unten gegraben oder an Bergen in den Fels gehauen. Zum Teil wohnen heute noch und wieder Berber in diesen Lehmbauten, in denen das ganze Jahr über eine ausgeglichene Temperatur zwischen 18 und 25 Grad herrscht.

Das nomadische und halbnomadische Berbervolk brauchte, wenn sie unterwegs waren, einen Ort, an dem sie ihre Vorräte lagern und vor Feinden sichern konnten. So entstanden Ksars oder Ksour. Ksour sind aus ebenfalls Lehm und Naturstein gebaute Speicherburgen, ähnlich wie in einem Bienenstock übereinandergebaute Räume, den Ghorfas. Die Ghorfas sind das Grundelement der Ksour und befinden sich in bis zu fünf Etagen. Eine Ghorfa ist eine Art Dachboden, in dem Lebensmittel gelagert werden: Getreide im unteren Teil, Oliven und Käse im oberen Teil und durch zwei Löcher in den Außen- und Innenwänden belüftet. Jede Familie hatte eine Ghorfa, die von einem bezahlten Wächter bewacht wurde. Im Ksar wurde manchmal auch gewohnt, er war Handelsstätte und diente zur Zusammenkunft der Gemeinschaft.

Ob ihres außergewöhnlichen Aussehens dienten einige Ksour auch als Filmkulisse für Star Wars.

Matmata (Star Wars + Berbermuseum)

Ksar Hallouf

Ksar Haddada

Ksar Ezzarah

Ksar Ouled Soltane

Das alte Berber-Bergdorf  Douiret   thront mit unzähligen Höhlenwohnungen auf ca. 500 m imposant auf einem Berg und ist schon von weitem zu sehen. Früher sollen hier bis zu 5000 Menschen gewohnt und großen Karawanen zwischen Gabes und der Oase Ghadames Handel und Zwischenstation geboten haben. Heute sind die Speicherburgen zum großen Teil zerstört, aber die Größe der Anlage lässt noch immer seine frühere Bedeutung erahnen.

Chenini

Chenini ist sehr touristisch, was wir auch sofort an der Haltung der Menschen uns gegenüber spüren. Zwar ist um diese Zeit fast nichts mehr los, aber kaum, dass wir den Motor abgestellt haben, werden wir belagert. Wir lassen uns zu einer Führung überreden, weil wir hoffen, so etwas mehr über die Ksour und die Lebensweise der Berber*innen zu erfahren. Aber der Guide ist nicht sehr hilfreich, da er dann, entgegen seiner Behauptung doch kaum Englisch oder Deutsch spricht und versteht und obendrein noch alles im Dauerlauf. Wieder für uns die Bestätigung, dass es halt doch am schönsten ist, für uns alleine und in unserem Tempo auf Erkundung zu gehen.

So, das war der erste Teil unserer Tunesienreise mit einigen historischen Stätten im Dahargebirge. Jetzt fahren wir in Richtung Douz und bald zeigen uns auch schon die ersten Sandverwehungen die Änderung der Landschaft an. Als nächstes ruft die Wüste!

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