Türkei, 10.03. - 26.03.2025

Von Canakkale bis Tasucu

Nach der Ausreise aus Griechenland und außer Sicht der griechischen Beamt:innen bekommt unser Atatürk wieder sein Plätzchen an der Windschutzscheibe. Wir fahren über die Grenzbrücke mit ihren schwer bewaffneten türkischen Grenzsoldaten in ihren winzigen Wachhäuschen und gelangen am anderen Flussufer an die Grenz- und Zollstation der Türkei. Wir freuen uns, wieder in dem Land zu sein, das wir in so guter Erinnerung haben.

Da dieses Mal die Einreise sehr zügig und unkompliziert verläuft, erreichen wir bereits am Nachmittag die Canakkale-Brücke und finden an deren anderen Ufer unseren ersten Übernachtungsplatz. Hier werden wir schon von den ersten freilebenden Kangalen empfangen. Diese türkischen Hirtenhunde sind aufgrund ihrer Größe äußerst beeindruckend, in der Regel jedoch freundlich, auch Joschi gegenüber.

Dann schauen wir bei Altin Camp vorbei, dem Campingplatz, den wir das letzte Mal in der Sommerhitze genossen hatten und bleiben aber nur zwei Tage, da er doch noch ziemlich verwaist ist und auch das leckere Restaurant noch geschlossen hat.

Weiter entlang der Ägais besuchen wir Alibey Adasi, ein kleines Inselchen bei Ayvalik und bleiben dann wieder ein paar Tage am Strand in der Nähe von Selcuk.

Danach folgt etwas kulturelle Bildung in der antiken Stadt Aphrodisias. Hier besichtigen wir die Ruinen aus hellenistischer Zeit um das 3. Jhdt vChr, deren Ausgrabungen Anfang des 20. Jhdts begannen. Auf dieser bedeutenden archäologischen Stätte sind die Reste des Tempels der Aphrodite zu sehen, zwei Theater, die Bäder des Hadrian sowie ein beeindruckendes Stadion für ehemals ca. 30.000 Zuschauende. Besonders verdiente Bürger:innen der Stadt hatten ihre fest reservierten Plätze, die mit speziellen Markierungen auf den Steinen reserviert waren. Leider  hat das Museum geschlossen, in dem sich viele außerordentliche Statuen und Reliefs befinden.

So wissens- und erkenntnismäßig gestärkt geht es weiter ostwärts an den Lake Salda, der auch als „Malediven der Türkei“ gerühmt wird. Das Wasser ist türkisblau und der Strand schneeweiß, was von dem hohen Magnesiumgehalt herrührt, der die Steine mit einer weißen Schicht überzieht. Vielleicht liegts am kalten Wetter, aber so ganz will bei uns kein Maledivenfeeling aufkommen und so fahren wir am nächsten Tag weiter.

Zwischen Caltepe und Karamanli kommen wir an mehreren Marmorbrüchen vorbei, die den beigefarbenben Botanica-Marmor abbauen. Wir fahren durch eine augenscheinlich sehr landwirtschaftlich genutzte Region, in der die Mandelbäume schon mit ihrer Blüte beginnen und haben fast immer einen Blick auf die noch schneebedeckten Gipfel der von Bergen geprägten Landschaft.

An Antalyas Strand gesellen wir uns zu den vielen picknickverliebten Türk:innen, die uns immer wieder ein Vorbild sind für entspanntes Genießen im Hier und Jetzt.

Außerdem suchen und finden wir hier eine Mercedes-LKW-Werkstatt, die uns das Kupplungsöl wechseln soll. Dort wird leider eine Undichtigkeit festgestellt und somit entsteht die Notwendigkeit für einen neuen Geber und Nehmer für die Kupplung, der jedoch angeblich nicht in der Türkei zu beschaffen sei. Da sich durch frisches Öl die Undichtigkeit verstärken könnte, lassen wir einfach alles, wie es ist. Ein Ölverlust ist auch in den nächsten Tagen nicht festzustellen und so ist ja nicht wirklich Eile geboten.

Unser nächster Halt entpuppt sich als Traumplätzchen. In einem Pinienwald gelegen verbringen wir bei Denizkent einige Tage am Strand in netter türkischer Gesellschaft und mit langsam wärmerwerdendem Wetter. Die alten knorrigen, mit dem Wind gewachsenen Pinien, hinter denen sich die einzelnen Campingfahrzeuge und Wohnwagen verstecken oder sich an diese anschmiegen, machen dieses bezaubernde Fleckchen am Meer ganz besonders. Und jeden Nachmittag kommt der Schäfer mit seiner Ziegenherde für ein kleines Schwätzchen vorbei. Das funktioniert auf Deutsch, weil er mal als Kellner in einem Touristenhotel gearbeitet hat.

Hier versuchen wir auch, unser erstes Brot zu backen. Es sieht zwar gar nicht so schlecht aus und ist auch essbar, aber für das Bäckerhandwerk müssen wir wohl noch etwas üben.

Bei der Weiterfahrt verschlechtert sich die Gängigkeit der Kupplung. Klaus kann zwar den Druck besser einstellen, aber für das Kuppeln braucht man jetzt immer mehr Kraft. Also neuer Geber und Nehmer und außerdem eine neue Kupplung.

Zum Glück bekommen wir die Ersatzteile doch noch bestellt und lassen sie uns nach Mersin schicken.

Side ist ein zwar eine sehr touristische Hafenstadt, die aber durchaus auch noch Teile ihres alten Charmes in der Altstadt bewahrt hat. Griechisch-römische Ruinen aus hellenistischer Zeit sind dort zu bestaunen, die architektonisch sehr gelungen in den restaurierten Ort eingebunden wurden. Z.B. sind viele archäologische Stücke in der Altstadt beim Spazierengehen durch Glasböden zu betrachten. Da am Theater Arbeiten stattfanden, war dieses geschlossen, aber wir besuchten den Tempel des Apollon am Meer.

Vorbei an Anlanya und riesigen Hotelkomplexen geht es durch Agrarland. Hier wachsen unter freiem Himmel und in Plantagen Bananen, Tomaten, Avocados und vieles mehr.

Wir landen in einer wunderschönen kleinen Bucht mit spektakulären Felsformationen und glasklarem türkisfarbenen Meer bei Gazipasa, wo wir eine nette türkische Familie kennenlernen und mit dieser den Nachmittag bei Tee und Muffins verbringen. Rüzgar, der 9jährige Sohn der Familie fungiert als Englisch-Übersetzer, der Rest funktioniert mit Gestik und Mimik. Umgeben ist die kleine Bucht von Bananenplantagen, an denen blaue Plastiksäcke hängen. Diese Säcke schützen die Früchte vor mechanischen Schäden, Insekten und Sonnenbrand. Gleichzeitig schaffen sie ein günstiges Mikroklima für optimales Wachstum. Die Plantagen werden gewässert und abgeerntete und vertrocknete Teile der Bananenstauden gesammelt und verbrannt.

Wieder unterwegs gibt’s am Straßenrand endlich wieder unser erstes Gözleme, dünne und verschieden gefüllte Fladenbrote aus Yufka-Teig.

In Silifke überweisen wir in der Akba-Bank die bestellten Ersatzteile, was sich wegen des komplizierten Procedere als echte Herausforderung erweist und belohnen uns anschließend mit einem leckeren Essen.

 

Ziemlich spontan beschließen wir, in Tasucu nach Zypern überzusetzen.

Die Auffahrt auf die Nachtfähre ist mit dem dicken Theo mal wieder Millimeterarbeit. Zudem macht die in die Jahre gekommene „Via Mare“ nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck. Bis alle auf dem Schiff ihren Platz gefunden haben vergehen über drei Stunden, was nicht zuletzt an dem „Fahrstuhl“ liegt, mit dem jeweils nur zwei Autos auf die obere Etage gelangen. Genauso geht’s dann nach fünf Stunden Fahrtzeit im Zielhafen in Girne auf Zypern auch wieder hinaus.

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