Nach teils abenteuerlichen Pisten, sind die letzten hundert Kilometer bis zur usbekisch-kasachischen Grenze auf neuer Straße ein Kinderspiel.
Wie im letzten Artikel schon erwähnt, wird die Grenzüberquerung eine Herausforderung, da diese für private Autos nicht möglich und nur für Lieferverkehr über 3,5 To geöffnet ist. Vor zwei Tagen ist es jedoch einem anderen reisenden Paar mit einem 15 To-Fahrzeug gelungen. Da die Alternativstrecke für uns einen Umweg von 3200 km bedeutet, sind wir entsprechend nervös.
Die Ausreise aus Usbekistan können wir mit allen anderen LKW-Fahrern meistern. Keiner schickt uns weg und die Lieferpapiere für die Zollabfertigung bleiben bei uns einfach leer. Nix zu liefern.
Optimistisch gestimmt kommen wir an der kasachischen Grenzstation an, aber hier gibt es erstmal kein Pardon für uns. „Privatfahrzeuge können nicht passieren – Sie müssen wieder zurück!“ Uns rutscht das Herz in die Hose. Auch das Argument, dass Reisefreunde vor einigen Tagen passieren konnten, zieht nicht. „Sie müssen wieder zurück“. Mittlerweile hat sich um uns eine Traube von kompetenten und weniger kompetenten Grenzern gebildet. Theowald wird aus mehreren Positionen eingehend fotografiert und wir warten … warten … und warten. Gefühlt ewig später kommt ein neuer Mitarbeiter, dem wir auch unsere Argumente vorlegen und bitten und betteln. Es wird telefoniert, nochmals fotografiert, Papiere wechseln die Hände und dann, fast unerträglich viel später, die erlösende Nachricht: Er habe eine Ausnahmegenehmigung von der Regierung erhalten, wir können einreisen, ein geldliches Entgegenkommen würde man nicht ausschlagen. Wir möchten aber allen Reisenden weitergeben, dass es nun keine Ausnahme mehr geben wird. Wir werden in ein spezielles Büro geleitet, 20 Dollar wechseln die Besitzer und wir bekommen die Ausreisestempel.
Mit den anderen LKWs geht’s rein nach Kasachstan: Freie Fahrt, die Abendsonne, die ersten Kamele und ein EFES-Shop – jetzt freuen wir uns auf Mangghystau.
Die Provinz Mangghystau, oder Mangystau, grenzt im Westen ans Kaspische Meer und im Süden an Turkmenistan. (Turkmenistan können wir leider nicht bereisen, da es nur geführte Touren gibt, die zudem extrem teuer sind.) Mangghystau ist nur dünn besiedelt, Erdöl- und Erdgasförderung greifen in manchen Regionen tief in die Landschaft ein und belasten die Umwelt.
Andere Regionen warten mit unglaublichen Naturwundern auf – die möchten wir sehen.
Wir befinden uns auf dem Ustyurt-Plateau, ursprünglich ein 20 bis 60 Millionen Jahre altes Ur-Meer Tethys, und als erstes kommen wir an den austrocknenden Salzsee Tuzbair. Hier finden wir am Rand der steil abfallenden, manchmal überhängenden Ustyurt-Klippen einen Platz mit weiter Sicht über den Salzsumpf. Wir stehen hier oben, da unten am See die Gefahr zu groß ist, im weichen Untergrund steckenzubleiben. Wir besuchen die „Sphinx“, die mit ihrer Form an die ägyptische Entsprechung erinnert und genießen den atemberaubenden Panoramablick.
Riesige Ölfelder mit unzähligen Förderpumpen säumen rechts und links die Landschaft während unserer Weiterfahrt, bevor wir nach abenteuerlicher Fahrt den nächsten komplett surrealen Ort erreichen.
Bozzhyra erscheint wie eine außerirdische Landschaft aus verwitterten und erodierten Felsen. Einige bizarre Formationen ragen wie Reißzähne aus der Ebene. Die Berge und Täler sind teils schneeweiß und immer noch sind hier fossile Artefakte wie versteinerte Muscheln und Haizähne zu finden. Hier treffen wir auch Christian und Alex wieder.
Auf dem Weg zu den Tiramisu-Bergen von Kyzylkup ist der Sand zeitweise so fein, dass er uns die Sicht raubt. Die Millionen von Jahren alten Kyzylkup-Hügel machen mit ihren geschichteten Kreidefelsen in verschiedenen Rottönen ihrem Namen alle Ehre.
Auf Asphalt und Wüstensand geht es weiter durch diese Region zum Berg Sherkala, was so viel wie „Löwenburg“ bedeutet, und der wie ein riesiger Kuchen aus der weiten Ebene ragt. Hier befinden sich Überreste einer mittelalterlichen Karawanserei und einer Festung, die Jochi (!), einem Sohn Dschingis Khans, gehörte.
An einem Brunnen, aus dem unaufhörlich Wasser sprudelt, füllen wir unseren Wassertank auf und steuern das letzte Highlight unserer Mangystau-Tour an.
Torysh, das „Tal der Kugeln“, ist eine offene Steppe, auf der unzählige riesige Steinkugeln lagern. Die bis zu 4 m großen und 40-60 Millionen Jahre alten Steinbälle haben eine organische und mineralische Zusammensetzung und bildeten sich auf dem Grund des urzeitlichen Tethys-Ozeans.
Hier, bei sternenklarer Nacht, können wir auch gut die Mondfinsternis beobachten.
Wir verlassen Mangystau und fahren gen Norden um das kaspische Meer herum.
Unsere Reise durch Zentralasien war ein ganz besonderes Erlebnis, das unsere Sicht auf diesen Teil der Welt nachhaltig beeinflussen wird. Nicht zu beschreiben ist die erfahrene Gastfreundschaft, Offenheit und Herzlichkeit der Menschen. Wir haben uns stets willkommen und ausgesprochen sicher gefühlt. Die Naturwunder und kulturellen Stätten haben uns ein ums andere Mal in Staunen und Ehrfurcht versetzt.
Ziemlich dankbar für das, was wir erleben und erfahren durften, geht die Reise weiter zu neuen Abenteuern; zurück durch Russland, Georgien und die Türkei, um dann die arabische Halbinsel zu erkunden.


























































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