Ohne Probleme reisen wir in den kurdischen Teil des Irak ein.
Zu Kurdistan gehören ein südöstlicher Teil der Türkei, ein Teil Nordsyriens, ein nordwestlicher Teil des Irak und eine autonome Region im nördöstlichen Teil des Irak. Ausschließlich hier im Irak wurde den Kurdinnen und Kurden eine eigengeführte Region zuerkannt, die von einer kurdischen Regionalregierung und einem eigenen Militär (den Peschmerga) kontrolliert wird. Bisher brauchte man für diesen Teil des Irak ein gesondertes Visum. Seit ein paar Monaten ist dies nicht mehr nötig und wir haben nun EIN eVisum für den Zentralirak einschließlich Kurdistan.
Die Grenzkontrolle ist extrem freundlich und unkompliziert und wir fahren zuerst an das Mosul Reservoir bei Duhok. Viele Fischer versuchen hier ihr Glück und wir sind willkommene Gäste.
Wir fahren weiter Richtung Süden. Die Grenzen zwischen Kurdistan und Irak sind nur locker kontrolliert. Die Straßen sind ok, aber wir sehen viel Müll und sehr einfache Infrastruktur. Am Straßenrand verkaufen kleine Händler Obst und Gemüse; manchmal stehen mitten auf der Straße Frauen mit ihrem Baby und bitten um Unterstützung.
In Mosul halten wir uns nicht lange auf, wir sehen noch vom Krieg zerstörte Häuser und füllen im Supermarkt unsere Vorräte auf.
Alle 30, 40 Kilometer werden unsere Pässe, unsere Visa und Theowald von schwerbewaffneten Soldaten kontrolliert; aber immer freundlich und hoch erfreut, wenn klar wird, dass wir aus Deutschland kommen. Am Straßenrand warten Tee- und Wasserverkäufer auf Kundschaft und mit der untergehenden Sonne erreichen wir Samarra.
Samarra ist eine der bedeutendsten religiösen Stätten der Schiiten und Ausgrabungsstätte von 8000 Jahre alten bemalten Keramikfunden. Heute besuchen jedes Jahr Tausende schiitische Pilger die große Moschee und die Schreine ihrer religiösen Anführer. Nur streng nach islamischen Vorschriften bekleidet, dürfen Frauen die Stätte besuchen, deren Gebetsräume streng von denen der Männer getrennt sind. Auch die Eingänge sind geschlechtergetrennt. Nach Körperfilzung und Taschenkontrolle bekomme ich ein neues Outfit. Allerdings keinen schwarzen Tschador, sondern einen hellgeblümten, der mich direkt als westliche Agentin ausweist. Im gekühlten Inneren der Moschee beten und meditieren die Frauen und küssen den Schrein des Al-Askari. Auch in den Außenanlagen sorgen Klimaanlagen und Ventilatoren dafür, dass die Pilgerschar die Hitze heil übersteht.
Das spiralförmige Minarett der Großen Moschee in Samarra sehen wir nur aus der Ferne, da hier z.Zt. Bauarbeiten stattfinden.
Wir stehen nur eine Nacht auf dem riesigen Besucherparkplatz, streng bewacht von Soldaten, die es auch außerhalb des Parkplatzes gar nicht gerne sehen, wenn wir alleine herumspazieren. Als uns eine Kontrolle auf den Straßen erwischt, wird ein privates Auto angehalten und dem Fahrer befohlen, uns auf unseren Parkplatz zu fahren.
Wir tanken für 500 Dinar den Liter, was ca. 33 Cent sind. Üblich für Einheimische sind 450 Dinar, für Ausländer:innen wird der Preis an der Tankstelle verhandelt.
Die Irakis sind ausgesprochen gastfreundlich und freuen sich sehr über ausländischen Besuch. Hin und wieder bekommen wir etwas geschenkt, einfach aus Freude, dass wir ihr Land besuchen. Im Supermarkt an der Straße will ich zwei Wasserflaschen kaufen und darf die aber nicht bezahlen: „It‘s free“, da gibt es keine Diskussion. Beim Einkauf an der Straße wird auch gerne mal etwas zusätzlich geschenkt. Und wenn wir irgendwo stehen, dauert es nicht lange, bis jemand kommt und fragt, ob wir irgend etwas brauchen, um uns wohl zu fühlen.
Wir fahren nach Bagdad, der Hauptstadt des Irak mit seinen fast 7 Millionen Einwohnern. Es herrscht Verkehrschaos, wie fast immer in diesen Metropolen, aber wir finden einen Stellplatz mit etwas Schatten an der Mall „Palms of Bagdad“, die an der Durchgangsstraße liegt. Hier finden wir im Hypersupermarkt eine reiche Auswahl westlicher Produkte und erstehen sogar eine Flasche Balsamico, nach der wir schon seit Monaten fahnden. Brot, also was wir darunter verstehen, gibt es aber leider auch hier keines. Dafür lernen wir die Besitzer der Imbisstheke kennen, die lange in Deutschland gelebt und jetzt hier ein Restaurant eröffnet haben.
Die Preise für Lebensmittel sind durchschnittlich etwas niedriger als in Deutschland, internationale Produkte etwa gleich oder sogar etwas teuer. Zum Frühstück gibt’s dann für Klaus ein großes und für mich ein kleines Ei aus derselben Packung.
Abends geht’s in den angrenzenden Vergnügungspark. Wir merken, dass wir in der Hauptstadt sind. Die Menschen sind offensichtlich etwas moderner bzw. „westlicher“. Wir treffen drei Familien, die mit ihren Hunden unterwegs sind. Viele Frauen tragen ihre Haare offen oder nur locker bedeckt, sind auch alleine unterwegs und treffen sich in Cafes und Restaurants. Englisch ist weit verbreitet und Kommunikation somit kein Problem.
Normalerweise kostet das Parken ein paar Euro. Da wir aber wie immer gern gesehene Gäste sind, müssen wir bei unserer Abreise am nächsten Morgen nichts bezahlen. So etwas passiert uns hier ständig.
Für die vielen interessanten Stätten, die es im Irak zu besichtigen gibt, ist es jetzt einfach noch mit fast 40 Grad zu heiß und so beschließen wir, die Highlights während unserer Rückreise nachzuholen und machen nur noch einen Abstecher zum Zikkurat der Mondgöttin Nanna. Leider ist diese uns aber nicht gesonnen und lässt uns nicht dort übernachten. Wir werden weggeschickt und müssen in der Dunkelheit erstmal nach einem Übernachtungsplatz suchen. In Nassirija verfahren und verzetteln wir uns komplett, weil die halbe Stadt gerade mit Straßensperren und Baustellen gepflastert ist. Ein netter Iraki lädt uns zur Übernachtung nach sich zu Hause ein. Da das mit Joschi aber nicht so eine gute Idee ist, schlagen wir die Einladung aus und ein weiterer netter Iraker geleitet uns mit seinem Moped aus dem Labyrinth der Stadt heraus.
Der nächste Stellplatz wäre in der Chibaish-Marsch – wir fahren weiter in die Nacht hinein. Um Mitternacht erreichen wir nach langem Suchen das anvisierte Guesthouse. Wir sind todmüde und müssen aber erst noch eine gute Stunde putzen, weil ich vergessen habe, den Kühlschrank richtig zu schließen. Die Bilder ersparen wir euch.
Am nächsten Morgen entscheiden wir uns gegen eine Bootsfahrt hier in den Sümpfen, weil es leider einfach viel zu heiß dafür ist.
Wir fahren weiter durch manchmal trostlose Orte und fast unerträgliche Hitze. Und wir haben Oktober! Unvorstellbar, wie die Menschen das im Sommer mit über 50 Grad aushalten.
Unser letztes Ziel im Irak ist Basra.
In Basra stehen wir zwei Tage an der Strandpromenade. Es ist Wochenende und viele Familien gehen hier spazieren und kommen bei uns vorbei. Wir werden angesprochen und jedes Mal freudig willkommen geheißen, wenn sie hören, woher wir kommen. Es wird gefragt, ob wir irgendetwas brauchen, es wird uns Essen und Tee gebracht und einmal bekommen wir eine Rose geschenkt.
Euphrat und Tigris treffen sich hier in Basra und wir stehen an der Al Basra Brücke, die bei Nacht in wechselnden Farben erstrahlt. Die Promenade ist tippitoppi zum Vergnügen und der Erholung mit Restaurants, Aussichtsplattformen und überdachten Sitzmöglichkeiten bestückt.
Basra war unsere letzte Station im Irak und damit endet auch der erste Teil unserer Reise durch dieses Land im Aufbruch.
Nun geht es durch dichten Verkehr aus Basra hinaus. An der kuwaitischen Grenze erwartet uns dann hoffentlich ein problemloses „Visa on arrival“ und eine einfache Einreise. Also: „Auf nach Kuwait“.














































































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Jürgen (Donnerstag, 15 Januar 2026 17:54)
Hallo ihr beiden, haben uns gestern (14.01.26) an der 'Edge of the World' Saudi-Arabien verabschiedet. Haben uns sehr gefreut mit euch zu plaudern, immer wieder aufbauend wenn man Menschen kennen lernt die sehr ähnlich unterwegs sind. Noch eine Bemerkung: wir haben auf dem Platz auf dem ihr gestanden habt ein weißes Kabel mit Stecker und Kupplung dran gefunden. Sah noch recht brauchbar sein. Kann das sein, dass das euch gehört? Unsere e-mail habt ihr ja.
Have a save journey, man sieht sich
Jürgen