Kuwait, 5. - 12 Okt

Die Ausreise aus dem Irak hätte unkompliziert sein können, wären wir nicht an einen jungen Zöllner geraten der meinte, ein bisschen sein Mütchen an uns kühlen zu können. Er will unsere Laptops, Kamera und Ferngläser konfiszieren und untersuchen (was noch an keiner Grenze passiert ist) und erst eine Beschwerde bei seinem Vorgesetzten setzt seiner Schikane ein Ende und es geht weiter zum kuwaitischen Grenzübergang.  

Die Kontrolle von Theowald dort ist sehr gewissenhaft und gründlich, aber korrekt und freundlich.

Wir bekommen bereits hier an der Grenze einen Eindruck davon, was Ölreichtum mit einer Gesellschaft macht. Für niedere Dienstleistungen, wie Tee machen, Wasser holen, Kopien und andere Botengänge sind zahlreiche migrantische Hilfskräfte zuständig. Und die Art der Anordnungen – mit einem Fingerschnippen oder unmerklicher Kopfbewegung – zeigt eindrücklich, wer hier Herr und wer Diener im Hause ist.

 

Kuwaits Straßen und Strände sind außerordentlich sauber. Dafür sorgen aber nicht die Kuwaitis, wie wir bald erfahren werden.

Es ist noch immer sehr heiß und mit dem Sonnenuntergang heißt es darum für die Kuwaitis Ab-an-den-Strand. Hier breitet man eine Decke aus oder schleppt Stühle an und genießt dann, versorgt mit kulinarischen Köstlichkeiten den lauen Abend. Wenn man dann um Mitternacht oder in den Morgenstunden nach Hause aufbricht, bleibt alles, was man nicht mehr braucht, am Strand liegen, obwohl Container in greifbarer Nähe bereitstehen. Sollte man noch irgendwelche Tüten oder Dinge im Auto haben, die man nicht mehr braucht, schmeißt man die ebenfalls an den Strand.

Am frühen Morgen kommen dann die ausländischen Bediensteten und sammeln die Hinterbleibsel der picknickfreudigen Bevölkerung wieder ein. Ich habe mit einem Menschen aus Bangladesh gesprochen, dessen Arbeit dies schon seit vielen Jahren ist und der damit die Existenz seiner Familie in der Heimat sichert.

Weitere Jobs finden sich in den Haushalten der Kuwaitis als Kindermädchen, Haushaltshilfen oder Gärtner.

In den Vierteln der Kuwaitis sind die Straßen und luxuriösen Anwesen schön sauber und gepflegt, während die ausländischen meist männlichen Arbeitskräfte in heruntergekommenen Bezirken und verfallenden Häusern an den Rändern der Städte wohnen. Von dort werden sie morgens mit großen Bussen zu ihren Arbeitsplätzen in der Stadt gefahren.

Kuwait ist eine konstitutionelle Monarchie mit einem Emir als Staatsoberhaupt und ca. 5 Mio Einwohnern, wovon nur etwa

30 % kuwaitische Staatsbürger sind. Der Rest sind eben diese ausländischen Arbeitskräfte, vorwiegend aus Indien, Bangladesh und Ägypten.

 

Viele Stellmöglichkeiten am Strand gibt es für uns in dem kleinen Kuwait nicht, aber wir finden ein Plätzchen für die Nacht und je später der Abend wird, desto mehr Menschen finden sich ein zum Essen, Singen, Musik machen oder Filme schauen.

Bevor wir Kuwait-City verlassen, darf ein Besuch in der The Avenues-Mall nicht fehlen. Während wir uns durch den Verkehrsstrom lavieren, meint ein Scheich, noch schnell vor uns einscheren zu müssen und nimmt unseren linken Blinker mit. Er bleibt mit seinem etwas demolierteren Auto zwar stehen, aber versteht nicht, warum man wegen eines defekten Blinkers so ein Aufheben machen kann. Bargeld hat er keines dabei und da ein Telefonat mit seinem Sohn uns auch nicht weiterbringt, lassen wir es gut sein und fahren weiter.

 

In der Mall erleben wir dann, warum ein Blinker hier nicht der Rede wert ist und was Ölreichtum wirklich bedeutet. Dieses Einkaufszentrum erstreckt sich über zwei vollklimatisierte und überdachte Kilometer. Elektroautos befördern die wohlsituierte Kundschaft von Geschäft zu Geschäft, manche werden von Dienern mit rollenden Kleiderschränken für die Einkäufe begleitet. Die Düsseldorfer Kö ist eine Armenmeile gegen den Hochglanz und Prunk der hier ansässigen Luxusmarken. Bei einem Snack bestaunen wir, mit welchem Selbstverständnis sich die Haute Voleé durch die pompös luxuriösen Hallen bewegt und begreifen etwas mehr die kuwaitische Gesellschaft.

Weiter geht’s in südlicher Richtung. Ein Mittel gegen Flöhe und Zecken für Joschi wird gesucht, wir finden aber nur Geschäfte für Nutztiere. Überhaupt haben wir in Städten noch keinen einzigen Hund gesehen und müssen davon ausgehen, dass diese dort getötet werden; was uns später auch einmal ein Kuwaiti bestätigt.

 

Bei Mangaf stehen wir zwei Nächte am Strand und werden dann aber von der Polizei verjagt. Alle sonstigen Stellplätze, die es mal am Meer gab, sind entweder verschwunden, gesperrt oder werden bebaut mit neuen Luxusvillen.

Dann sind wir auch schon mal wieder in der Werkstatt. Eine Mercedes-LKW-Vertragswerkstatt tauscht die Flüssigkeit der Kupplungshydraulik nochmal aus, da hier der georgische Mechaniker ein bisschen geschludert hat. Als wir bezahlen möchten, heißt es, wie so manches Mal: „It’s free!“ Der Geschäftsführer freut sich, deutschen Reisenden geholfen zu haben.

Am Meer entlang auf dem Weg Richtung Süden tanken wir über 300 Liter Diesel für 36 kuwaitische Dinar. Das sind etwa

30 Cent der Liter. Aber schließlich sind wir ja auch im Land der Ölscheichs und hier werden auch überwiegend spritfressende Monster-SUVs gefahren, die noch mehr verbrauchen als unser Theowald.

Unser Wäschekorb quillt über und es wird Zeit, einen Waschsalon zu finden. Nach langem Suchen finden wir in Al Ahmadi eine Wäscherei, bei der wir unsere Wäsche nach Stückpreis abgeben: T-Shirt kosten umgerechnet 1 Euro, Hose 1,50 €, Unterhose 0,50 Cent. Wir geben unsere Kleidung bis auf die Unterwäsche ab, bei den Preisen waschen wir diese gerne selbst und außerdem haben wir nicht mehr viel Bargeld. Am nächsten Tag freuen wir uns aber dann doch über die gut gewaschene, moderat riechende und gefaltete Kleidung.

In Ermangelung schönerer Plätze übernachten wir auf einem LKW-Parkplatz. Unser Nachbar ist auf seinen Fahrten augenscheinlich ziemlich gut ausgestattet und macht es sich gemütlich.

Wir fahren nochmal zurück nach Kuwait-City, weil es laut IOverlander-App dort angeblich einen baumbestückten Stellplatz geben soll. Als wir ankommen, ist alles mit kleinen Palmen neubepflanzt, von denen aber auch schon fast die Hälfte wieder vertrocknet ist. D.h. wohl, dass der vorherige Baumbestand die Hitze nicht überlebt hat. Kuwait gehört zu den heißesten Städten der Welt und da wir ohne Klimaanlage losgefahren sind, bekommen wir das jetzt mit immer noch fast 40 Grad gnadenlos zu spüren.

 

Also zurück an den Salmiya Beach, wo wir unter einem Baum einen etwas Schatten werfenden Platz ergattern und es somit ein paar Tage aushalten.

Nach nur 7 Tagen Kuwait fahren wir am 11. Oktober wieder Richtung Süden an die saudi-arabische Grenze. Ausreise Kuwait kein Problem, aber an der Grenzstation Al Khafji in Saudi-Arabien beginnt eine kleine Tortur. Joschi darf nicht einreisen. Die Grenzer sind sehr freundlich und versuchen das ihnen Mögliche zu tun, aber ohne eine Genehmigung des zuständigen Ministeriums in Kuwait-City gibt es für Joschi kein Pardon. Ohnehin ist die Einreise von Hunden, wenn es sich nicht um Gebrauchshunde, wie Blinden- oder Assistenzhunde handelt, ein Ermessensfall. Bei anderen Reisenden hat das aber bisher geklappt – nur eben nicht ohne dieses Dokument. Also wieder zurück: Ausreise Saudi-Arabien, neues Visum und Einreise nach Kuwait. In Kuwait-City übernachtet und gleich morgens zur Behörde. Wir bekommen das ersehnte Papier, fahren die hundert Kilometer wieder an die Grenze, Ausreise Kuwait, und wieder an die saudi-arabische Grenzstation. Da kennt man uns schon. Jetzt müssen wir nur noch online eine Genehmigung von einer weiteren staatlichen Stelle beantragen, die jedoch nicht zu erreichen ist. Kurzum: Ohne die Hilfe der engagierten Grenzbeamten, die mit der Behörde telefonieren, hätten wir es niemals geschafft, dieses weitere Dokument zu bekommen. Vier bis fünf Beamte waren vier Stunden mit unserem Fall beschäftigt, bis sie uns das kostbare Papier ausdrucken konnten.

 

Damit wäre das erste nicht so schöne saudi-arabische Abenteuer überwunden und es kann ja nur noch besser werden.

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