Saudi-Arabien, 12. Okt - 6. Nov

In Al Khafji, ein paar Kilometer hinter der Grenze, finden wir unseren ersten Platz an der Promenade und wollen uns nach dem Grenzstress erst mal wieder erden. Kaum angekommen, kommt schon der erste nette Saudi, bringt uns zwei Eiskaffees und Kekse und heißt uns willkommen. Am nächsten Abend werden wir von einem jungen Mann mit gefüllten Fladen versorgt, die seine Mutter ihm in einer Tupperdose auf den Weg gegeben hat. Wir sollen Bescheid sagen, falls wir irgendetwas brauchen. Drei Tage stehen wir immer auf dem gleichen Fleck, weil es hier unter Bäumen tagsüber gut auszuhalten ist. Abends kommen dann immer saudische Familien zum Strandbesuch.

Nachdem wir einen netten Saudi nach einer Wäscherei gefragt haben, fährt uns dieser sogleich mit seinem Auto dorthin. Die Wäsche wird abgegeben und Mahdi fährt uns wieder zurück. Am Nachmittag bringt Mahdi uns die Wäsche auf Bügeln fein zusammengelegt und frisch duftend vorbei und wir dürfen mal wieder nichts bezahlen. Man stelle sich so etwas mal in Deutschland vor!

Abends kommt eine Familie und schenkt uns eingelegte Auberginen und eine Barbeque-Tomaten-Creme. Einfach so.

Zur Feier des Tages gehen wir später in ein Strandlokal und genießen auf der Terrasse arabische Köstlichkeiten. Joschi muss leider zu Hause bleiben. Ein Hund in einem Lokal, auch wenn man draußen sitzt, wäre in Saudi-Arabien, wie bisher im Irak und in Kuwait trotz aller Freundlichkeit ein absolutes No-Go.

Weiter südlich stehen wir auf dem Halbinselchen Darin, weil hier ebenfalls freundlicherweise schattenspendende Bäume stehen. Hier ist ein riesiger Park mit edler Promenade und vielen Familien, die hier wieder picknicken und sich die Zeit vertreiben.

Schwimmen gehen im Bikini ist hier nicht drin, weil wir nicht unbedingt unangenehm auffallen wollen. Schließlich sind wir nur Gäste.

Noch weiter südlich die Küste entlang ist ein Caravanpark, den wir als nächstes anvisieren. Als wir am späten Nachmittag dort eintreffen, ist bereits die Hölle los, da mal wieder Freitag ist.

Freitags geht man in arabischen Ländern am Vormittag in die Moschee und der Rest des Tages ist Feiertag. D.h., man packt Decken, Stühle, Kissen, Unmengen an Essen und einen Caydanlic zur Teezubereitung ein und fährt mit der gesamten Familie an den Strand. Viele machen sich aber auch schon Donnerstagnachmittags auf den Weg und beten dann am Strand. Kinder und Männer gehen ins Wasser, Frauen selten und wenn, dann in kompletter züchtiger Montur. Es wird bis in die frühen Morgenstunden gegessen und erzählt und manchmal erklingt arabische Musik oder es wird getrommelt.

Gleich nach Ankunft werden wir mit einer leckeren Essenplatte beschenkt.

 

An den Caravan-Park, auf dem wir stehen, angeschlossen sind einige Kilometer Strand mit Pavillions. Eine Autokolonne schiebt sich durch den Sand entlang und hin und wieder bleibt auch mal eines stecken. Der Eiswagen kommt vorbei und die Autos mancher junger Männer kurven kreischend und unter Johlen durch den Sand.

Am Samstag ist dann der Spuk vorbei, der Strand wieder wie leergefegt und die ausländischen Heinzelmännchen machen alles wieder sauber. Samstag ist Arbeitstag und Sonntag Wochenbeginn.

Wir wollen unsere geschenkten gefüllten Auberginen essen, aber können uns zu mehr als Kosten nicht überwinden. Die Teilchen sehen aus wie überdimensionierte vollgesaugte Zecken. Und das Auge isst halt mit. Unser persönlicher bangladeschischer Strandbeauftragte freut sich aber über die Delikatesse.

Jeden zweiten Abend sorgt die Sprinkleranlage für frisches Grün – Wasser: kein Problem, im Meer gibt es genug davon.

Die Küstenstraße weiter entlang gibt es ein paar schöne Strandplätze. Direkt am Wasser und mit herrlichem Sand. Leider ist uns dort nur eine kurze Verweildauer gegönnt, da uns die Strandpolizei alsbald verjagt. Campen ist dort nicht gestattet. Also landen wir wieder auf unserem Caravanpark. Saudi-Arabien ist nicht unbedingt ein Land für Strandurlaub.

 

Saudi-Arabien hat zwei Wüsten und eine davon ist die Nefud Wüste, die für ihre interessanten Felsformationen bekannt ist.

Dahin wollen wir und fahren über Hofuf, eine große Stadt am Wüstenrand, ca. 100 km von der Küste entfernt. Weiter als Hofuf kommen wir nicht. Wir strecken ob der Hitze die Waffen, gehen im Hypersupermarkt einkaufen und fahren wieder zurück.

Es gibt ja immer was zu tun am Theowald und so haben wir keine Probleme, uns dort weiter ein bisschen die Zeit zu vertreiben. Zum Glück ist dann auch wieder Freitag und der Eiswagen kommt vorbei und leckeres Abendessen wird auch geliefert.

Noch ein paar Tage Wind, Schatten und Wasser und mit dem leichten Sinken des Thermometers brechen wir nochmal zu einem zweiten Versuch Richtung Wüste auf.

Hofuf ist unerwarteterweise eine Riesenstadt mit 600.000 Einwohnern. Es folgt ein Besuch in der Wäscherei (wo der Preis wieder nach Stückzahl berechnet wird), in der Zahnklinik (aber nichts Schlimmes) und im Supermarkt, wo man sich während des Einkaufs das Auto waschen lassen kann.

Übernachtet wird mitten im Gewimmel der Großstadt, wo Joschi kaum vor die Tür kann, ohne kreischenden Kindern in die Arme zu laufen.

Ein Besuch im Souk muss sein, der anders ist als die Souks, die wir bisher sahen. Edelste Kleidung aus teuren Stoffen, luxuriöse Parfüms und Schmuckwaren warten hier in gediegener Atmosphäre auf anspruchsvolle Kunden. Die meisten Stände bieten Dishdashas an, das sind die traditionellen meist weißen Kutten der Männer. Jeder Mann, der etwas auf sich hält, besitzt hiervon mindestens sechs oder sieben Stück; die Reinigungen hängen voll damit. Ebenso viele Läden offerieren Shemaghs in unzähligen rot-weiß-karierten verschiedenen Mustern, welche sich die Männer mit einer schwarzen Kordel um den Kopf binden.

Unter Kaskaden bieten Händler unzählige Gewürze und andere Waren feil und die Haupt- und Einkaufsstraße der Stadt erstrahlt im Glanz tausender Lichter wie bei uns nur zu Weihnachten.

In Hofuf statten wir am nächsten Vormittag noch den Al Qarah Mountains einen Besuch ab, und dann gilt: zweiter Versuch Wüste.

Durch sengende Hitze und auf Schotterpisten und Sandwehen erreichen wir mit dem Sunset Judah’s Thumb, eine große Felsformation, die wie ein riesiger Daumen in der Wüste aufragt.

Einige Bahrainer, die sich auf einem Kurztrip durch Saudi-Arabien befinden, haben hier eine kleine Pause eingelegt.

Kaum geparkt kommen sie zu uns rüber und schenken uns einen Karton, der einige bahrainische Spezialitäten beherbergt. Nach einer netten Unterhaltung und einem kleinen Interview fürs bahrainische Fernsehen, fahren sie weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit.

 

Die Sonne geht unter, wir stehen am Fuß des Judah’s Thumb und fühlen uns in seiner Obhut aufgehoben. Und die Wüste übt, wie jedes Mal, wieder eine ganz besondere Faszination auf uns aus. Die wenigen Touristen sind schon lange weitergezogen und mit zunehmender Dunkelheit beginnen tausend Sterne am Himmel zu leuchten. Wir stehen völlig alleine in dieser unendlich weiten Landschaft und eine unnachahmliche einzigartige Stille senkt sich auf das Land. Diese besondere Atmosphäre finden wir nur in der Wüste.

Am nächsten Tag erkunden wir weitere Felsformationen in der Nefud und stoßen hin und wieder auch auf einige Kamelskelette.

Über Hofuf geht es wieder raus aus der Wüste. Nach einer Übernachtung in Al Udays nehmen wir dann das nächste Land auf unserer Reise ins Visier: die Vereinigten Arabischen Emirate. Auf der arabischen Halbinsel heißt „neues Land“ auch „neues Problem“, um Joschi über die Grenze zu bekommen. Hierzu benötigen wir wieder eine ministerielle Erlaubnis. Desweiteren haben wir uns online bereits um eine Einreisegenehmigung für ihn bei der zuständigen Regierungsbehörde in den UAE bemüht, diese auch bezahlt, aber keine Bestätigung erhalten.

Aber wir fahren einfach mal an die Grenzstation Al Batha und sehen, was passiert.

Bereits bei der Ausreise aus Saudi-Arabien werden wir nach der Hundeeinreisegenehmigung der saudischen Regierung für die Emirate gefragt und zum Veterinary-Office zurückgeschickt. Das Prozedere dort kostet fast fünf Stunden Nerven und Zeit, weil der Mitarbeiter auch keine große Energie auf unseren Fall verwenden möchte. Als wir nach stundenlangem Warten und Bangen dann doch etwas ungehalten werden und die Behörde schon ziemlich verärgert verlassen wollen, geht es dann doch ganz schnell.

Da es mittlerweile schon wieder dunkel wird, beschließen wir, vor der Behörde zu übernachten und am nächsten Tag unser Glück zu versuchen.

 

Frisch ausgeruht und bereits wieder optimistisch nehmen wir am nächsten Tag nochmals Anlauf und fahren erneut an die Grenzstelle. Wie die Einreise in die Emirate geklappt hat, erfahrt ihr dann im nächsten Artikel.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0