Da unser Ein-Jahres-Visum für eine Aufenthaltsdauer von 90 Tagen gültig ist, reisen wir problemlos und hundeunbemerkt wieder nach Saudi-Arabien ein. Trotzdem braucht das Procedere mit X-Ray halt doch immer seine Zeit und deshalb schaffen wir es bis Sonnenuntergang nur bis zum nächsten LKW-Parkplatz kurz nach der Grenze.
Am nächsten Morgen geht es auf die über 1.000 km lange und meist wüstenartige Strecke Richtung Riad. An der Grenze zu den Emiraten ist es über hunderte Kilometer verboten, anzuhalten oder gar auszusteigen.
Zwei Tage später erreichen wir die Hauptstadt und kämpfen uns durch den Verkehr. Wir stehen am Nationalmuseum, dem wir am nächsten Tag auch gleich einen Besuch abstatten.
Danach geht’s mal wieder in den Hypermarket, wo wir uns wie jedes Mal wundern, dass es auf der gesamten arabischen Halbinsel nur eine Sorte unreifer und komplett unaromatischer Tomaten zu geben scheint. Hähnchen gibt es in nicht endenwollenden Regalen auf unzählige Arten. Auf den Märkten und in den großen Supermärkten sind alle Sorten an Gemüse und Obst aus aller Welt zu finden, nur keine schmackhaften Tomaten. Warum das so ist, bleibt ein ungelüftetes Geheimnis.
Der Vorort Diriyah gilt als Wiege des Königreiches und wird aufwendigst restauriert. Uns ist der Hype etwas zu anstrengend und wir werfen nur einen kurzen Blick auf die Siedlung aus Lehmbauten aus dem 15. Jhdt. Neben dem Weltkulturerbe soll bis 2030 eine futuristische neue Downtown-Siedlung entstehen, wofür schon kräftig die Werbetrommel läuft.
Von Riad bzw. Diriyah aus führt der Weg nun Richtung Jeddah, östlich ans Rote Meer, eine Route von wieder fast 1000 Kilometern. Entfernungen haben hier in Saudi Arabien eine andere Dimension, aber zum Glück kostet der Sprit ja nicht viel. Einen Liter Diesel gibt es für gerade mal 40 Cent. Und außerdem ist ja der Weg das Ziel und einiges gibt es auch noch unterwegs zu sehen.
Nach drei Stunden erreichen wir die „Kante der Welt“, den Aussichtspunkt auf dem Jebel Fihrayn, eine beeindruckende Felsformation auf einer hundert Kilometer langen Steilklippe in der Tuwaik-Bergkette. Der Ort ist wieder einmal magisch und entschädigt uns für die Strapaze auf der dahinführenden Stolperpiste. Und wir werden sogar mit einer kleinen Wetterbesserung belohnt. Seit Tagen ist die Sicht durch staubgeschwängerte Luft getrübt, aber für uns lässt für kurze Zeit der strenge Wind ein wenig nach und sogar die Sonne kommt zum Vorschein.
Nette Saudis versorgen uns mit Schutzhelmen und führen uns durch eine Fledermaus-Höhle und dann treffen wir noch zwei andere weitgereiste Overlander.
Als die Piste nach einigen Stunden Rück- und Weiterfahrt besser wird, heißt es wieder Luft auf die Reifen und weiter geht’s nach Ushayqir, wo wir das Glück haben, zufällig in das einmal im Jahr stattfindende Spring Festival reinzustolpern. Ushayqir ist eines der ältesten Dörfer in der Region Najd. Zwischen seinen Mauern und Türmen beherbergt es etwa 400 Wohnhäuser und 25 Moscheen. Früher war Ushaiqir ein bedeutendes religiöses Zentrum, das den Pilgern aus Kuwait, Iran und Irak auf dem Weg nach Mekka Station bot.
Die etwa 400 Jahre alte historische Siedlung wird seit einigen Jahren von den früher hier ansässigen Familien restauriert und einige der Nachfahren durften wir kennenlernen und uns durch das Dorf und die Häuser führen lassen. Mit ihnen streifen wir durch das Labyrinth brauner Lehmfassaden und lassen uns die noch original eingerichteten Häuser ihrer Großeltern zeigen. Das war ein ganz besonderes, völlig unerwartetes Erlebnis und wieder eine zu Herzen gehende menschliche Begegnung.
Wir übernachten auf dem völlig überfüllten Parkplatz, der am nächsten Morgen leergefegt ist und dessen Sandboden von einem Wassertransporter vom Wüstenstaub befreit wird. Ist ja genug Wasser vorhanden.
Es geht weiter auf unserer Route gen Meer. Bei Afif entdecken wir wunderschöne Steinhügel, die aussehen wie riesengroße Kamelhäufchen und am größten Krater Saudi-Arabiens stehen wir weitere zwei Nächte. Der Al Wahbah Krater des Trockenvulkans misst 2 km im Durchmesser und ist 250 m tief. In seiner Mitte glänzen weiße Natriumphosphatkristalle. Wir steigen auf die höchste Stelle des Kraterrandes und haben eine fantastische Sicht über die Wüstenebene.
Bevor wir weiterfahren, wird noch versucht, den gebrochenen Träger des Außenspiegels so mit Kabelbindern und Panzertape zu fixieren, dass er sich am Ende nicht noch ganz verabschiedet; außerdem klauen wir uns noch Wasser an einer Moschee.
In Jeddah wollen wir uns die Altstadt mit ihrer besonderen Architektur anschauen, jedoch sind alle Parkflächen momentan eingezäunt. Da sich einfach keine Möglichkeit zum Parken eröffnet, der gesamte Altstadtbezirk eine einzige Baustelle ist und eh nicht zur Besichtigung einlädt, fahren wir für die Nacht in die Nähe des Hafens. Hier gibt’s was zu Futtern und der Eiswagen kommt auch vorbei.
Am nächsten Tag ist wieder Supermarkttag und dann geht’s weiter aus der Stadt an der Baustelle des zukünftig höchsten Gebäudes der Welt mit 1007 m vorbei. 2028 soll es fertig und zu bewundern sein.
Wirklich schöne Strände am Roten Meer entlang finden wir nicht und so geht’s dann an Gas- und Öl-Anlagen zügig bis Yanbu, wo wir wieder ins Landesinnere abbiegen und alsbald von einem Regenschauer in den nächsten geraten und Theowald sich ein Schönheits-Schlammbad gönnt.
In Al Ula gibt’s wieder Fahrradwege, auf denen keine Menschenseele fährt und die Sonne lässt sich wieder blicken.
Der Oasenort Al Ula besteht seit dem 6. Jhdt vCh und liegt an der Weihrauchstraße, einer der weltweit ältesten Handelsroute. Gleichzeitig bietet Al Ula eine spektakuläre Landschaft mit von Sand und Wind außergewöhnlich geformten Sandsteingebilden.
Ebenfalls hier befindet sich mit Hegra die erste Weltkulturerbestätte in KSA. Mit einem Hop-on-Hop-off-Bus erkunden wir den archäologischen Ort mit seinen über 110 Felsengräbern aus dem 6. Jhdt vChr.
Mit den letzten Sonnenstrahlen kommen wir abends am Elephant Rock an, ein Ausflugsziel auch für viele Saudis. Hier lässt man es sich in gut gehen mit Tee, Kaffee und einem Wasserpfeifchen.
Die Region Al Ula bietet besonders mit untergehender Sonne ein betörendes Farbenspiel und Fest der Sinne. Alleine mit der Natur bestaunen wir das Farbspektakel zwischen blauem Himmel und goldenem Sand.
Von diesem Naturschauspiel geflasht könnten wir hunderte Fotos schießen und die Magie der Landschaft doch nur bedingt einfangen. Und wenn dann nachts Sterne, Wolken und Mond den schönsten Himmel zaubern und man die absolute Stille hören kann, sind wir eins mit der Natur und wissen wir, warum wir so reisen wie wir reisen.
Im Ort Al Ula wird kräftig gebaut und sich auf den kommenden Tourismus vorbereitet; Fahrradwege wieder nicht zu vergessen!
Am Viewpoint Harrat ist die Sicht wegen sehr diesiger Luft getrübt, aber es lässt sich erahnen, welcher Blick sich bei klarer Sicht auf den Ort und die umliegende Landschaft bietet.
Ein Spaziergang durch das historische Dorf ist uns zu touristisch und wir fahren weiter durch die atemberaubende Landschaft zum Rainbow Arch und den Felsnadeln bei Al Buriekah. Hier treffen wir auf zwei Held:innen, die von Deutschland aus auf zwei Rädern unterwegs nach China sind.
Unsere letzte Strecke in KSA führt nun über Tabuk bis an die jordanische Grenze. Da im Moment nicht abzusehen ist, wie sich die politische Lage im Iran weiter entwickelt und eine Eskalation mit Auswirkungen auf die gesamte Golfregion nicht auszuschließen ist, wollen wir etwas früher und schneller als geplant durch Jordanien und den Irak wieder in die Türkei zurück. Unser Leben ist ereignisreich genug, mehr Aufregung brauchen wir nicht.
Wir fahren deshalb auch nicht mehr an den Golf und über Akaba, sondern wollen die kürzere Strecke über den wenig befahrenen Grenzübergang Al Mudawara nach Jordanien einreisen.
Wie das funktioniert erfahrt ihr dann im nächsten Bericht.
Am Ende nun noch ein Resümee zu Saudi-Arabien:
Wir hatten in Saudi-Arabien immer den Eindruck, dass das allerorten ausgerufene „Welcome“ nicht nur dahingesagt, sondern ernst gemeint war. Die Saudis scheinen sich wirklich über Reisende, die ihr Land erkunden wollen, zu freuen. Als Frau habe ich mich immer wohl- und respektiert gefühlt. Stets reichte man mir ebenso die Hand wie Klaus.
Kronprinz Bin Salman hat vor einigen Jahren Reformen angestoßen. Frauen haben nun zwar per Gesetz mehr Rechte und Freiheiten, dürfen jetzt Auto fahren und sind offiziell keiner Kleiderordnung mehr unterworfen, inwieweit sie sich aber privat und familiär wirklich diese Freiräume schaffen können, ist fraglich. Immer noch werden einem Mann vier Frauen zugestanden und die Erbfolge und das Familienrecht ist weiterhin rein männlich bestimmt. Die weit überwiegende Mehrheit der Frauen trägt weiterhin die Abaya, die nur mit einem schmalen Sehschlitz ausgestattet ist. Die saudischen Frauen waren stets freundlich, zugewandt und interessiert, aber es wäre mir nie möglich gewesen, eine Frau von der anderen zu unterscheiden. Wie das in ihrem Alltag funktioniert, bleibt mir ein Rätsel.
Damit die Frauen sich auf ihren Grundstücken ohne Abaya bewegen können, sind ausnahmslos alle Anwesen mit einer mindestens 3 m-hohen Sichtschutzmauer umgeben.
Das Reisen war für unseren Joschi manchmal anstrengend und für uns schwierig und nervig. Mit dem Muezzin konnte er sich auch nach Monaten in arabischen Ländern nicht anfreunden und ergriff jedes Mal die Flucht ins Auto. Mit Joschi konnten wir uns selten unauffällig bewegen. Die Menschen hielten an, fuhren nochmal zurück, umkreisten uns, beobachteten uns, wollten Joschi fotografieren und manchmal sogar streicheln (was Joschi ja besonders gerne mag ). Kurz, es fehlte hier oft ein bisschen Normalität.
Generell hatte er auf der ganzen Arabischen Halbinsel so seine Probleme mit dem komischen Verhalten der Menschen, wenn sie auf ihn trafen. Wilde Hundebegegnungen gabs für ihn keine, da diese wohl immer geschossen werden. Nur in den Hauptstädten wächst unter den Jüngeren eine hundefreundliche Community heran, aber dann gerne Rassehunde und nicht von der Straße.
Das „Campen“ war immer meist problemlos. In allen arabischen Ländern kann man in der Regel frei stehen, insofern keine Sicherheitsbedenken dagegen sprechen. Ausnahmen gab es an einigen Strandabschnitten, die keine Übernachtungen erlaubten. Warum es hier Einschränkungen gab, konnten wir nicht erfahren, da alle Coastguards ausnahmslos arabisch und kein Wort Englisch sprachen.
In der Region Al Ula war die Polizeipräsenz besonders auffallend. Hier wurden wir einige Male auch auf Parkplätzen gebeten, weiterzufahren und von Standplätzen zwischen den Mountains weggeschickt. Die einzige Vermutung die wir dazu haben ist, dass diese Region touristisch aufgebaut und aufgewertet werden soll. Leider fahren viel zu viele Gaskranke ihre oft rücksichtslosen Rennen durch die Sanddünen und zwischen den Felsen und wo immer sich Besucher niederlassen, hinterlassen sie ihre mülligen Visitenkarten. Ein oft trauriger Anblick in dieser so wunderschönen und schützenswerten Landschaft.
Unterm Strich war Saudi-Arabien aber ein fantastisches Reiseland mit immer herzlichen, offenen und gastfreundlichen Menschen. Unzählige Male wurden wir einfach so mit Essen beschenkt und es gab viele nette Kontakte mit interessierten Menschen. Wie alle anderen Länder auf der arabischen Halbinsel hat es uns auch Saudi-Arabien leicht gemacht, es zu mögen und die Menschen zu schätzen.
























































































































































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