Irak 2, 7.-15. Febr

An der Grenze brauchen wir von 8 bis 14 Uhr. Jetzt wollen wir auf schnellstmöglichem Weg nach Bagdad. Bis dahin sind 550 km zurückzulegen. Während der ersten 200 km passieren wir viele Militärstationen mit intensiver Kontrolle. Einmal wird fast unsere Bordkamera entdeckt, das hätte ein bisschen Ärger geben können. Nach den Kontrollen geht es nur noch in Begleitung mit Eskorten des Militärs weiter.

 

Ca. alle 50 km wechseln sich die schwerbewaffneten Militärfahrzeuge ab und jedes Mal ist eine längere Diskussion notwendig, weil wir unsere Pässe nicht den Soldaten der vorausfahrenden Eskorte überlassen wollen. Glücklicherweise reichen dann am Ende doch immer noch Fotos der Pässe aus und wir können unsere roten Wanderbücher behalten.

Wir fahren in die Dämmerung und später in die Nacht hinein. Manchmal müssen wir etwas länger auf die Ablösung warten. Ungefähr 40 km vor Bagdad werden wir dann gegen Mitternacht freigelassen und fahren die restliche Strecke alleine in die Stadt. Hundemüde schaffen wir es auch noch auf „unseren“ Stellplatz am „Palms of Bagdad“.

 

Von der auf dem Parkplatz in einer Bretterbude wohnenden Security bekommen wir am übernächsten Morgen noch einen vollen Wassertank und dann geht’s weiter zu noch ein paar weißen Flecken im Irak.

Die Fahrt nach dem gut 100 km südlichen Babylon führt uns durch kleine Orte, vorbei an landwirtschaftlich genutzten Flächen, Schrottplätzen und viel, viel Müll.

Beim Eingang der Stätte passiert es, dass ein Besucher Joschi beim Vorbeigehen aufs Hinterteil schlägt, so dass er aufheult. Die Mitarbeiter haben das mitbekommen und sofort beginnt ein großer Tumult, auch Polizisten kommen dazu. Der Mann wird festgehalten und zu uns geführt. Der Übeltäter muss sich bei uns entschuldigen und wir werden gefragt, ob wir die Entschuldigung annehmen, ansonsten würde der Mann verhaftet. Wir wollen keinen weiteren Ärger und lassen es damit gut sein. Aber das zeigt, wie sehr alle, die irgendwie mit dem Tourismus zu tun haben, um das Wohl der ausländischen Besucher:innen bemüht sind.

 

Die Ruinen und restaurierten Gebäude sind für uns mäßig interessant, dafür schauen wir uns aber gegen ein geringes Bakschisch den verfallenden Palast von Saddam Hussein an, der eigentlich nicht betreten werden darf. Schätzungsweise 80 – 100 Paläste hatte er seinerzeit im ganzen Land bauen lassen. Die meisten wurden geplündert und zerstört oder dienten als US-Basen.

Nach dem bedrückenden erodierenden Herrschaftsprunk, erholen wir uns noch ein wenig mit frischer Luft im angrenzenden Park.

Auf dem Parkplatz am Eingang überwachen Soldaten unsere Nachtruhe, dann geht’s am nächsten Morgen frisch rasiert wieder Richtung Norden. Die Menschen arbeiten auf den Feldern, am Straßenrand wird mit fließendem Wasser frisch gehaltener Fisch verkauft und beiderseits der löchrigen Fahrbahn türmt sich der Müll. Seit Tagen schon werden immer wieder Schul- oder Studienabschlüsse wie Hochzeiten gefeiert, so auch in Bagdad. Der Verkehr durch die Stadt ist irgendwann gemeistert und wir beschließen das heutige Fahrpensium an einer Raststätte, wo wir von drei netten Irakern zum Essen eingeladen werden.

Der Weg führt weiter über Kirkuk, Sulaimaniyya und den Jabal Birah.

Der größte See in Kurdistan ist der in den 50er Jahren errichtete und umstrittene Stausee Dukan-Lake, da für ihn viele Menschen umgesiedelt werden mussten. Hier, umrahmt von Bergen finden wir mit der untergehenden Sonne ein schönes Plätzchen am Hang.

Kurz vor Mitternacht werden wir von einer Militäreinheit geweckt: Der Platz ist nicht sicher, wir sollen ihnen runter ins Dorf folgen. Nach dem anstrengenden Aufstieg über steinige Serpentinen ein schwerer Schlag. Außerdem lagen wir schon im Bett.

Also unserer Eskorte hinterher und alles wieder runter. Auf der Wache entpuppen sich die Soldaten und Polizisten als überaus freundlich und fürsorglich. Nach ausführlicher Registrierung in mehreren Verwaltungslisten und Austausch des Whatsapp-Kontaktes dürfen wir uns wieder in die Nacht verabschieden. Unseren Standort müssen wir ab sofort rund um den See an unseren Kontaktmann melden.

Zu müde, um erneut hochzufahren bleiben wir unten am Fluss und beginnen erst am nächsten Tag erneut die Fahrt um den See. Wir fahren durch kleine Orte und finden immer wieder ganz schöne Stellen, aber da es diesig und jetzt im Februar mit um die 10 Grad noch ziemlich frisch ist, fahren wir bald weiter.

Auf der Route nach Erbil haben hunderte Störche ihre Nester auf Strommasten gebaut und unterwegs sind wir gezwungenermaßen mal kurzzeitig als Geisterfahrer unterwegs. Es gibt keine andere Möglichkeit nach Erbil zu gelangen, als auf der Gegenfahrbahn der Autobahn. Jegliche Beschilderung oder Hinweise fehlen. Wir fahren einfach einigen anderen Autofahrern hinterher – und kommen tatsächlich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder auf die richtige Fahrbahn.

 

In Erbil finden wir abends einen Platz an der Citadelle, schlendern noch durch den Souk und essen was Leckeres am Straßenstand. Auch am nächsten Tag genießen wir noch mal das rege Treiben in der Altstadt und essen in einem schönen Lokal an der Citadelle.

 

Mit Erbil endet unsere Reise durch den Nahen Osten. Angesichts der politischen Spannungen haben wir beschlossen, zwei Wochen früher als geplant wieder in die Türkei auszureisen.

Nun ist auch mal gut mit den arabischen Ländern und Joschi freut sich bestimmt darauf, auch mal wieder einen Hund zu treffen.

Mit vielen lieben menschlichen Begegnungen, tollen Landschaften und interessanten Erfahrungen lassen wir das geheimnisvolle Morgenland hinter uns und in guter Erinnerung. Mitte Februar, 17 Monate nach unserem Aufbruch in Deutschland geht’s wieder in die Türkei und damit in ein Land, das wir bereits ganz gut kennen.

 

Bei der Ausreise aus dem Irak hat sich ein langer Stau gebildet, weil‘s angeblich an der türkischen Grenze wegen eines Feiertags irgendwie nicht weitergeht. Das kostet uns einige Stunden, so dass es mal wieder Abend wird, bis wir auf der anderen Seite ankommen. Aber wir werden wie immer mit einem sehr freundlichen „Merhaba“ begrüßt und alles ist gut.

 

Europa, wir sind auf dem Weg!

 

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