Rumänien, 14. - 25. März

Bei der Rausfahrt aus Bulgarien werden wir an der Grenzkontrolle nach Migranten gefilzt. Dabei wird die Kabine kurz durchsucht. Die Grenzer auf der rumänischen Seite halten es genauso, aber alles geht schnell und freundlich.

Rumänien begrüßt uns mit Ortsnamen, die nach Daten benannt sind, wie z.B. 2. Mai oder 23. August.

 

Im Hafen von Mangalia halten sich Kriegsschiffe bereit. Entlang der Küste fahren wir bis nach Constanta am Schwarzen Meer. Die viergrößte und gleichzeitig älteste Stadt Rumäniens hat ca 300.000 Einwohnende und ihren Namen zu Ehren der Schwester von Konstantin dem Großen erhalten. Sehenswert ist das alte, im Jugendstil erbaute Casino, das Nationalmuseum und viele beeindruckende Gebäude in der Altstadt. Die Stadt hat etwas Mondänes und eine schöne Fußgängerzone und ist anscheinend ein beliebtes Ziel vieler Ausflügler und Touristen.

Von da aus geht es dann ins Landesinnere. Auffallend häufig begegnen uns Pferdefuhrwerke, die scheinbar auch heute noch gerne im Einsatz sind. Meist werden damit Baumstämme oder bereits gehacktes Holz transportiert. Überhaupt sind vor den meisten Häusern auf dem Land Berge von Holz geschichtet für die hier anscheinend immer noch bevorzugte Art des Heizens. Und die Abgrenzungen der Felder bestehen auch aus Holzzäunen. Huckleyberry Finn könnte sich in Rumänien eine goldene Nase verdienen.

Die rumänischen Dörfer auf dem Land sind meist ähnlich strukturiert: Die Hauptstraße führt mitten durch, rechts und links die Grundstücke mit ihren kleinen und manchmal farbenfrohen Häuschen und dazwischen, beidseitig der Fahrbahn, verlaufen kleine Bächlein, die sogenannten Straßenseitengräben, die besonders für den Hochwasserschutz wichtig sind. In Rumänien gibt es etwa 150 Wehrkirchen oder Kirchenburgen, von denen wir einige, die zum Weltkulturerbe zählen, bewundern durften. Diese historischen Gebäude wurden überwiegend zwischen dem 13. Und 16. Jhdt als Verteidigungsbefestigung gegen Türken und Tartaren gebaut.

In Berca statten wir einem Schlammvulkan einen Besuch ab. Die 30 qkm große Kraterlandschaft ist eine kuriose Erscheinung. Schlammvulkane entstehen durch Gaseruptionen unter der Erde und spucken hier statt Lava kalten Schlamm. Man kann also ohne Probleme seinen Finger in den brodelnden Matsch halten. Sieht nur hinterher nicht so schön aus.

Auf dem Weg nach Transsilvanien, oder Siebenbürgen, wird uns schon mal am Straßenrand Knoblauch angeboten.

Wir schauen uns zur Einstimmung die Burg Sinaia an, die noch von Schnee umgeben und für die Touristen noch nicht geöffnet ist. Wir befinden uns in einem Skigebiet auf dessen, Berghängen man die Lifte im Betrieb sieht.

Abends schlendern wir dann durch die Altstadtgassen der schönen Stadt Brasov und kehren in ein gemütliches Lokal ein. Wir haben außerhalb geparkt und fahren mit Uber ins historische Zentrum. Joschi muss zuhause bleiben.

Und dann wollen wir zu Graf Drakula, erfahren aber, dass er im Schloss Bran wohl nie wirklich gelebt hat. Sein bürgerlicher Name war auch Vlad III., bekannt als der Pfähler, ein Schreckensfürst im 15. Jhdt. Aber wer weiß, wo er heute umgeht und in welcher Gruft welchen Schlosses er tagsüber ruht. Wir wollten kein Risiko eingehen und sind am späten Nachmittag, vor Anbruch der Dunkelheit, lieber weitergefahren.

In Viscri, früher Deutsch-Weisskirch, ist die Zeit stehengeblieben. Ein wunderschönes Dörflein. Mittendurch führt ein Kopfsteinpflaster, rechts und links die Bächlein und dahinter in den schönsten Farben die Häuschen, teils renoviert, teils noch im Originalzustand.

Nachdem die meist deutschen Siedler im 12. Jhdt hier eingewandert waren, zählte das Dorf etwa 700 Menschen.

Sein Wehrensemble gehört zum Weltkulturerbe und beherbergt ein klitzekleines Kirchlein und ein interessant gestaltetes Museum.

 

Auf dem kleinen Ort liegt wirklich ein Zauber der Vergangenheit. Sehr friedlich, sehr beschaulich. Man fühlt sich wie in ein altes Märchenbuch versetzt. Kleine Kunsthandwerksläden haben um diese Zeit noch geschlossen, da sich bei der Kälte kaum Besucher sehen lassen. Alles scheint noch ein bisschen im friedlichen Winterschlaf gefangen.

Die Geschichte von Siebenbürgen und mithin der Deutschsachsen begann im 12. Jhdt, als ungarische Könige Siedler aus dem Westen riefen, um hier Land urban zu machen. Die Siebenbürger Sachsen kamen im Zuge der mittelalterlichen Ostkolonisation und bestanden hauptsächlich aus Deutschen, Flamen und Wallonen. Die Bezeichnung „Sachsen“ hat nichts mit den heutigen Sachsen zu tun und hat andere Ursprünge; der Name setzte sich durch die lokale ungarische Bevölkerung durch und wurde dann von den Siedlern selbst übernommen. Es gab einmal ungefähr 800 Tsd Rumäniendeutsche in dem Balkanstaat, heute sind es nur noch gut 20 Tsd. Ein Drittel davon lebt in Siebenbürgen.

 

Auf der Weiterfahrt durch Siebenbürgen sehen wir weitere bezaubernde Dörfer, deren Struktur zwar sehr einfach ist, aber immer scheinbar mit dem Anspruch, ein schönes Dorf sein zu wollen. Müll, in der Natur oder auf den Straßen abgeladen, ist hier kein Thema. Alles ist aufgeräumt und sauber.  Wir hatten uns Rumänien nicht so schön und die Menschen nicht so nett vorgestellt.

Das historische Zentrum von Sighisoara, das einmal Schäßburg hieß, ist ebenfalls ein Weltkulturerbe. Einstmals auch von den Siebenbürger Sachsen gegründet, leben heute überwiegend Rumänen in der Stadt. Es wird Abend bis wir uns in die Altstadt aufmachen, die jetzt fast leer wirkt. Auch hier ist das Mittelalter noch präsent.

Am nächsten Tag bezwingen wir noch die 174 Stufen der überdachten Treppe zur Bergkirche und fahren dann weiter Richtung Targu Mures. Wir möchten sehen, wo unser Joschi herkommt.

Auf dem Weg kommen wir in Balauseri an einem Markt vorbei. Überwiegend Roma bieten hier ihre Waren an. Roma bilden neben den Ungarn mit einem Bevölkerungsanteil von etwa 12 % die größte ethnische Minderheit in Rumänien. Auch in der Region Siebenbürgen sind sie stark vertreten.

Im städtischen Tierheim in Targu Mures, wo Joschi vor vielen Jahren wohl als Welpe aufgenommen wurde, dürfen wir uns ein wenig umsehen. Die Geschichte von Joschi war leider nicht mehr zu rekonstruieren, da dies dort nicht festgehalten wurde und sich die Mitarbeitenden nicht mehr erinnern konnten. Wir hatten den Eindruck, dass bei Joschi aber irgendwelche Erinnerungen wachwurden, da er sich ziemlich auffällig verhielt und wieder weg und gleich ins Auto wollte. Der Anblick der vielen Hunde, die ohne Auslauf in ihren Käfigen ihr Dasein fristeten, war nicht sehr schön. Eine Spende durften wir nicht hinterlassen, da nur Futterspenden angenommen werden dürfen und so verließen wir diesen sowohl hoffnungsvollen als auch bedrückenden Ort wieder.

In Mediasch bezeugen noch viele Inschriften an Häusern und Fassaden eine deutsche Vergangenheit. Bei den Auslagen der Modeläden fühlen wir uns ein paar Jahrzehnte zurückversetzt.

In Valea Villor, früher Wurmloch, ist die Wehrkirche im März leider noch geschlossen. Nur mit unserer fliegenden Agentin können wir einen Blick hinter die Mauern erhaschen.

Sibiu liegt in der geografischen Mitte Rumäniens, hieß früher Hermannstadt und beherbergt heute ca 145.000 Einwohnende. Obwohl hiervon heute nur noch gut 1 Prozent ehemals deutscher Herkunft sind, prägen auch hier diese immer noch das historische Altstadtbild. Gerne wären wir da zum Aufwärmen in das historische Volksbad gegangen, aber das war am Wochenende ausgebucht.

 

Eine Stipvisite in Saliste, über die Brücke des Mieresch, ein Halt in Alba Lulia, in Aiud und am Lac Casa Parasita bei Tureni. Die Landschaft wird endlich frühlingshafter, das Wetter ein bisschen milder, die Sonne scheint wieder öfter und wir finden nochmal ein richtig schönes Plätzchen an der Schnelle Kreisch bei Tileagd. Dort können wir auch gleich mal wieder den Dachgepäckträger reparieren, wo wieder eine Stütze durchgebrochen ist. Aber vorausschauend wie wir sind, haben wir natürlich einen Ersatz parat.

Unsere letzte Stadt ist Oradea, bevor wir Rumänien bei Bors verlassen. Wie so oft im Leben: Wir hatten an Rumänien keinerlei Erwartungen und sind sehr positiv überrascht worden. Ein liebenswürdiges Land mit herrlichen Landschaften und beschaulichen kleinen Dörfern, in denen nette Menschen zuhause sind. Auf den ersten Blick erscheinen Rumäninnen und Rumänen etwas mürrisch, aber wenn man in Kontakt geht, sind sie freundlich und hilfsbereit.

Zeitweise war es bei unserem Aufenthalt noch empfindlich kalt mit einem oftmals eiskalten Wind. In irgendeinem Frühling, wenn das Wetter ein bisschen wärmer ist, wollen wir auf jeden Fall noch einmal hierher zurückkommen und den Rest erkunden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0