Finnland, 27. Mai - 18. Juni

Nach gut zwei Stunden bequemer Fahrt kommen wir mit der Fähre in Helsinki an, finden einen schönen Parkplatz in der Nähe der Altstadt und machen uns auch gleich auf in diese.

Helsinki ist eine große moderne und pulsierende Stadt, in der es einiges zu sehen gibt, aber die Menschen machen einen gelassenen, zufriedenen Eindruck und die Atmosphäre ist gechillt. Der Verkehr auf den Straßen ist entspannt und rücksichtsvoll.

Der Senatsplatz mit dem Dom und die Nationalbibliothek werden bewundert, ebenso das futuristische Gebäude der Zentralbibliothek. Am Hundeplatz vorbei geht’s zur Tempelkirche und der Kapelle des Schweigens. Gegenüber des riesigen russischen Botschaftsanwesens wird wieder des Kriegs und seiner vielen Opfer gedacht und im Park, rund um unseren Stellplatz (wie bereits im Baltikum) wieder dem größten Volkssport gefrönt: Rasenmähen von gemähtem Rasen.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf nach Suomenlinna. Nach zwei Stationen sind wir mit der Straßenbahn am Hafen und von dort geht’s mit unserem AB-Ticket problemlos weiter auf die Festungsinseln. Joschi fährt umsonst mit.

Suomenlinna ist eine Festung, bestehend aus mehreren Inseln, die Ende des 18. Jh ursprünglich von den Schweden als Verteidigungsbollwerk gegen das expansionistische Russland errichtet wurde.

Nachdem Finnland 600 Jahre zu Schweden gehörte und über hundert Jahre zum russischen Reich, konnte es 1917 seine Unabhängigkeit erreichen und aus Sveaborg (Schwedenburg) wurde Suomenlinna (Finnenburg).

Nach einer Viertelstunde kommen wir auf der Insel an und besichtigen die alten Festungsgebäude, das Königstor, ein Trockendock, Tunnel, Schutzwälle und Kanonen, Bunker, ein U-Boot und die Kirche. Ein Kriegsschiff zieht vor der Insel seine Runden.

Kurz vor Tampere ist unser nächster Übernachtungsplatz ein Picknickareal mit Sauna. Vorbei an Ronjas Studierendenwohnheim in Tampere, wundern wir uns über die kleinen Lieferroboter, die ihre Waren ausfahren und brav am Zebrastreifen warten. Die Parkplätze der Wohnblöcke sind mit Steckdosen ausgestattet, um die Autos im Winter frostfrei zu halten.

Bei den großen Wohnblöcken sind meist Stromanschlüsse auf den dazugehörigen Parkplätzen dabei, damit die Autos, bzw. deren Kühlsystem über Nacht nicht einfriert.

 

 

Als wir den Karvianjärvi erreichen, kommt die Sonne heraus. Wir stehen sehr idyllisch und alleine an einer kleinen Bucht. Ab und an fahren Finnen mit ihrem Boot hinaus zum Angeln und eine kleine Sauna lädt zur Selbstbedienung ein.

Vorbei an den immer an der Straße aufgestellten Briefkästenhäuschen, kleinen Unterständen für die abzuholenden Milchkannen und viel viel Holz am Wegesrand geht es weiter an den Purmojärvi, wo wir auch direkt am Wasser stehen und uns mal über einen richtigen Sonnentag freuen.

In Kokkola werden unsere Vorräte aufgefüllt, aber meine geliebten Erdbeeren versage ich mir bei den hiesigen Preisen; zumal sie vom Geschmack deutscher Erdbeeren meilenweit entfernt sind.

 

Der nächste Strandplatz bei Pohja erfreut uns wieder mit herrlichem Blick. Und je später der Abend, desto schöner die Gäste: bevor sie fast ganz untergeht, zeigt sich nochmal die Sonne.

Eine Übernachtung am Picknickstrand Siniluodon mit seinen obligatorischen Plums- Toilettenhäuschen – die wir glücklicherweise nie benutzen müssen - und dann erreichen wir Oulu, die letzte große Stadt am Bottnischen Meerbusen.

Oulu ist mit seinen fast 215 Tsd Einwohnern die nördlichste Großstadt der EU. Sie ist Industriestadt und hat für 2026 den Titel Europäische Kulturhauptstadt Europas errungen. Jedes Jahr findet hier auch die Luftgitarren-Weltmeisterschaft statt, die wir jedoch leider versäumen. Außerdem gibt es hier einen klitzekleinen Dom, einen Marktplatz mit historischer Häuserzeile und einen Pizza-Automaten.

Bei Suomussalmi statten wir einer ganz besonderen Kunstinstallation einen Besuch ab. 1988 wurde „das Stille Volk“ von Reijo Kela geschaffen. Tausend stumme Figuren mit Torfköpfen stehen hier still in der Landschaft und schaffen mit ihrer stummen Präsenz eine eigenartige und faszinierende Atmosphäre.

In Kuusamo spazieren wir nahe der russischen Grenze die historische Salpa-Linie entlang, eine Befestigungsanlage noch aus dem Zweiten Weltkrieg gegen Russland. Wir sehen Schützengräben, zerstörte Bunker und Panzerhindernisse und können uns nur schwer vorstellen, wie es sein muss, tage-, wochen- oder monatelang hier in Schlamm und Erde die Stellung zu halten, um das eigene Land zu verteidigen. Hin und wieder begegnen uns Rentiere.

Auch auf dem nächsten Parkplatz im Oulanka-Nationalpark macht Joschi Bekanntschaft mit Rudi, der dort immer seine Runden dreht. Freunde werden die beiden aber nicht.

In Finnland leben Rentiere nur vereinzelt wild und sind in der Regel domestizierte Nutztiere mit Markierungen im Ohr oder mit Sendern am Halsband registriert. Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere tragen ein Geweih, das bis zu 2 cm am Tag wachsen kann. Nach der Brunft und vor dem Winter stoßen die Männchen ihre Geweihe ab, die Weibchen behalten diese den Winter über und werden erst im Frühjahr vor der Brunft abgestoßen.

Ausgestattet mit unseren neuen mückennetzbewehrten Schlapphüten machen wir uns auf die Wanderschaft auf der berühmten Bärenrunde. 14 km geht es durch dichten Wald, über Stromschnellen und ausgearbeitete Wanderwege. Die offizielle Stechmückenzeit beginnt eigentlich erst Mitte Juni, aber das wissen diese Plagegeister hier offensichtlich nicht. Dank unserer Hüte kommen wir fast stichfrei und mit müden Beinen nach 5 Stunden wieder am Parkplatz an. Selbst Joschi hat genug für heute.

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