Montenegro, 31. Okt. - 10. Nov.
Durchs Dinarische Gebirge, das sich mehr als 600 km von Slowenien bis nach Albanien zieht, fahren wir in den Bergen weiter über eine klitzekleine Grenzstation nach Montenegro. Gerade noch auf Schotter- und Schlaglochpiste, fahren wir auf der anderen Seite der Grenze auf asphaltierter Straße, glatt wie ein Babypopo und mit Mittelstreifen!
Die Ausblicke in dieser Hochgebirgslandschaft sind weiter einfach grandios. Das Herbstlaub taucht die Berge in wunderbare goldene Farben und die Gipfel glitzern in der späten Sonne. Die serpentinenreiche Strecke ist mit unzähligen Tunneln versehen. Kleine und größere Felsbrocken am Rand der Straße zeugen von fortwährender Korrosion und wir sind erleichtert, am Nachmittag den sehr kleinen und einfachen Campingplatz Zeleni Gaj auf einem hochgelegenen Plateau unbeschadet zu erreichen.
Dort erstehen wir von der Betreiberin das beste selbstgemachte Pflaumenmus ever und bekommen die Gelegenheit, endlich mal wieder unsere Wäsche zu waschen.
Weiter geht es auf abenteuerlichen Serpentinen und durch dunkle Tunnel dem höchsten Berg Montenegros entgegen. Der Bobotov Kuk ist 2.522 m hoch und in seiner Nähe auf 2.000 m finden wir unseren nächsten fantastischen Stellplatz. Um 17 Uhr ist es jetzt schon dunkel und bitterkalter Wind treibt uns in Theowalds wohlige Wärme.
Vor uns erhebt sich Prutas, 2393 m hoch und fordert uns am nächsten Tag heraus. Zwar scheint die Sonne, aber ein eiskalter Wind, immer wieder sehr steile Kletterabschnitte über Felsen und die Höhenluft machen den Aufstieg zur Herausforderung. Joschi ist in seinem Element. Als wir in der Ferne flüchtende Gemse sehen, entdecken wir auch den Grund der Flucht: unseren Hund, dessen Hütegene mal wieder durchgekommen sind – einige hundert Meter entfernt. Josch ist wie immer vorne weg, eben ein Kind der Karpaten. Aber normalerweise wartet er immer wieder, bis der langsame Rest des Rudels wieder Anschluss gefunden hat.
Auf dem Gipfel angelangt, gibt’s eine Jause und um nicht im Dunkeln die letzten Meter nach Hause stolpern zu müssen, machen wir uns auch bald wieder an den Abstieg. Zwar um einiges länger, dafür aber nicht so steil. Wir sind ziemlich froh, nach insgesamt 6 Stunden mit unseren müden Knochen wieder in unser warmes Zuhause zu kommen.
So sehr wie uns diese traumhafte Berglandschaft die letzten vierzehn Tage begeistert, freuen wir uns doch auch wieder auf wärmere Gefilde und fahren in den Süden Montenegros und ans Meer. Am Badestrand Plaza Perazica Do in der Nähe von Petrovac ist in den Sommermonaten eine Bar geöffnet, die auch Sonnenliegen und Schirme vermietet. Jetzt ist der Kiesstrand leer und wir stehen mit einigen anderen Campern vor einem riesigen nicht zu Ende gebauten Hotelkomplex, so groß wie ein Kreuzfahrtschiff. Ein Teil der Bauruine war in den 70er Jahren ein Luxushotel für die Hautevolee Jugoslawiens. Dann kam ein montenegrisch-russischer Oligarch und begann mit einem gigantischen An- und Aufbau, der nie fertiggestellt wurde, bzw. 2013 eingestellt wurde und nun als ein Denkmal menschlicher Gier in der Landschaft steht. Wohl für dieses Luxusresort wurde auch ein Tunnelsystem zum nahegelegenen Ort gebaut, der heute entlang des Meeres nach Petrovacka führt.
Vorbei am Inselchen Sveti Stefan mit seinen Luxusresorts, wo die Nacht in einer Suite auch schon mal 3.000 € kostet, besuchen wir noch Kotor. Kotor, älteste Stadt Montenegros und alte Hafenstadt an der Adriaküste beeindruckt mit ihrer Altstadt und deren jahrhundertealten Gebäuden. Da außer uns noch viele weitere Menschen die Stadt besichtigen möchten und sogar mit Kreuzfahrtschiffen hier anlegen, geht der mittelalterlichen Schönheit etwas verloren, aber ein Schlendern durch die entlegeneren Gassen Kotors erzählt auch etwas leiser über die Geschichte der Stadt.
Kurz waren wir nochmal in Kroatien und da von Dubrovnik keine Fähre mehr nach Bari fährt, müssen wir von Durres in Albanien aus übersetzen. Also noch ein paar Tage an nicht so schönen albanischen Stränden und dann wieder nach Italien.
Im Gegensatz zum gesellschaftlich und politisch zertrittenen und wohl nicht zuletzt daher ärmlicheren Bosnien-Herzegowina, erscheint uns Montenegro als prosperierendes Land. Der Lebensstand scheint ähnlich dem in Deutschland. Preise für Lebenshaltung auf dem gleichen Niveau, das Straßennetz besser als in Deutschland; alles sauber, ordentlich und wenig Müll. Die Menschen freundlich, der Umgang miteinander zivilisiert, aber hinter dem Steuer manchmal etwas übermütig. Kleinere und größere Orte – von den Altstädten jeweils abgesehen - meist auf den ersten Blick nicht sehr einladend; praktisch, nüchtern, Industrie- mit Wohngebieten oft vermischt. Die Landschaften hingegen umso schöner.
Der Nationalpark Durmitor bietet die beeindruckendste Natur, die wir bisher erleben durften. Über weite Strecken bis auf einzelne kleine Ansiedlungen oder Hirtenhäuschen fast menschenleer. Und in der Nacht stockdunkel, eisigkalt und ein Sternenmeer am Himmel. Ein bisheriges Highlight unserer Reise.
Uscha Bachofer
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