Salzseen, Filmkulissen und Schluchten, 9. - 18. Dez

Am Rande von Douz übernachten wir zwei Tage. Abends essen wir die wunderbaren Tacco-Röllchen, die so herrlich gewürzt sind. Douz hat 30.000 Einwohner und gilt als Tor zur Sahara. In den Straßen wuselt, hupt, stinkt und lärmt es. Eine Stunde Douz ist CO2-mäßig wahrscheinlich so ergiebig wie 1 Jahr an der Hügelstraße. Viele Agenturen bieten hier Touren in die Wüste an: auf dem Quad, dem Kamel oder mit dem Bus in ein Beduinendorf. Dennoch sind auch hier die Menschen weiterhin freundlich, hilfsbereit und respektvoll.

Es gibt viele kleine Handwerksbetriebe; wir dürfen in eine Schreinerwerkstatt schauen, Schuster arbeiten an der Straße, es gibt viele viele Mopedwerkstätten und zwischendrin wird abends immer mal wieder ein Grillstand aufgebaut.

Auf dem CP lassen wir einen Ölwechsel machen, weil das hier auch ohne Werkstatt so üblich ist. Tja, und das nicht aufgefangene Öl wird dann im Sand eingesammelt und kommt in den Hausmüll. Mülltrennung kennt man hier noch nicht.

Entlang der Wüste und durch den Salzsee Chott el Jerid führt der Weg nach Tozeur, wo wir kurz Halt machen. Die Fahrt zu den berühmten Filmkulissen führt dann teilweise durch den Chott Chtihatt Sghat. Abseits der Hauptroute müssen wir höllisch aufpassen, uns nicht festzufahren, denn diese scheinbar ausgetrockneten Salzseen sind tückisch, was immer mal wieder der ein und die andere leidvoll erfährt.

Mos Espa liegt an Dünen und ist beeindruckend und wunderschön in der Abendsonne. Hier wurden feste Kulissen für Star Wars errichtet, die auch heute nach bald 30 Jahren gut erhalten sind.

Vorbei an einer riesigen Kulisse für eine arabische Serie geht es nach Ong Jmal, wo einige Szenen von Der englische Patient gedreht wurden. Hier hat ein Verkäufer seinen Stand mit den obligatorischen Sandrosen und kleinen genähten Stofffigürchen einfach vaterseelenallein in der Wüste stehen lassen. Auf dem Tisch liegen auch ein paar Münzen, so dass man sich hier scheinbar selbst bedienen kann. Wir erstehen ein kleines versandetes Kamelchen und hinterlassen unsere sämtlichen Münzen, da Scheine wohl schnell der Wind davontragen würde.

In Chebika sehen wir uns den zwar klitzekleinen, aber in einer herrlichen Landschaft fließenden Wasserfall und die Ruinen des alten Dorfes an. Es ist Nachmittag und wir streifen völlig alleine durch die Felsenszenerie und übernachten am Rand von Chebika. Am nächsten Morgen kommt der Wasserlieferant vorbei und tankt seinen Vorrat auf und Horden von Touristen werden aus unzähligen Agenturbussen ausgespuckt und fallen über den Ort her. Nix wie weg.

Tunesien ist das Land der Dattelpalmen. Diese werden zum eigenen Genuss und für den Export angebaut. Datteln gibt es in vielen Sorten und Größen. Wir haben uns sagen lassen, dass der Preis mit der Größe der Datteln korreliert: je größer, desto wertiger. Es gibt sehr viele Plantagen und hier unten im Süden werden die Palmen auch mit unterirdisch gezogenen Leitungen gewässert. Meist werden die Palmen im einzelnen oder als Gruppe mit Sandwällen geschützt. Früher war das die einzige Süßigkeit, heute stehen die Kinder mehr auf Schokolade.

Heute morgen habe ich mich mit Joschi in einer Dattelplantage in Chebiki verirrt. Irgendwann haben wir dann aus dem Labyrinth wieder herausgefunden, aber an einem völlig anderen Ende der Stadt. Die Plantagen sind in der Regel eingezäunt und manchmal mit Palmwedeltüren verriegelt. Getränkt wird im Gebirge mit Bergwasser, das in ausgeklügelten Kanälen durch die Plantage fließt.

Wo zuviel Wüstensand weht, wird versucht, mit Palmwedelzäunen den Wind im wahrsten Sinne des Wortes im Zaum zu halten.

Kamele laufen unterwegs frei, bei den Sightseeings sind sie angebunden, damit sie am nächsten Morgen wieder die Touristen befördern können. Hierzu werden die Vorderbeine mit etwas Spielraum zusammengebunden und mit einem längeren Strick im Boden verankert. Hin und wieder schaffen sie es, diesen aus der Verankerung zu ziehen und hoppeln dann gut gelaunt davon, bis sie sich vom Berberpapa wieder brav zurückbeordern lassen.

Jetzt gehts auf die berühmte Rommel-Piste. Warum die Rommelpiste Rommelpiste heißt, weiß anscheinend niemand. Von Generalfeldmarschall Erwin Rommel kann die Namensgebung nicht sein, denn der Pass wurde erst 1956 durch das französische Militär angelegt. Es ist eine Schotter- und Betonpiste im über 900 m hohen Gebirgszug mit Serpentinen und großen Höhenunterschieden und so auch zu fahren. Nach der Fahrt sieht es in der Kabine dementsprechend auch aus. Joschi hat leider vergessen, einen Oberschrank und einen Kleiderschrank zu schließen und das Schloss des Spülenschranks hat von sich aus aufgegeben. Man kann sich auf die Mannschaft einfach nicht verlassen.

Unser Übernachtungsplatz an einem Steilhang bietet eine bombastische Aussicht. Kleine Erkundungsgänge führen in eine Höhle am Hang, entlang Felswänden, die mit ihren Schichten ihre jahrtausendealte Entstehung offenlegen und zu Ali, der in der Nähe mit hier wachsenden Gebirgspflanzen so lange herumkokelt, bis er eine Masse erhält, die angeblich gegen Kopfschmerzen hilft (wahrscheinlich im Rausch weggespaced).

Auch die Tamerza-Schlucht befindet sich in den Bergen des Gebirgszuges Djebel en Negueb und beginnt mit einem kleinen Wasserfall, wo ein enttäuschter Palmenhändler es nicht geschafft hat, uns eine weibliche und männliche Palme zu verkaufen. Die Wanderung durch den von hohen Sandsteinfelsen gerahmten Canyon fasziniert und die Nachmittagssonne tut ihr übriges. Zum Glück entgehen wir Faruk. Dieser hier berühmtberüchtigte Guide heftet sich solange an die Fersen von Touristen, bis sich diese von ihm die Schlucht zeigen lassen. Aber wir haben den Canyon ganz für uns alleine.

Mides liegt ein paar Kilometer vor Algerien und ist die am höchsten gelegener Oase Tunesiens. Die Polizei lässt uns aus Sicherheitsgründen nirgends frei stehen und verweist uns auf den einzigen CP im Ort. Nachts patroulliert das Militär mit geschulterten Gewehren durch die Straßen. So lassen wir uns gezwungenermaßen auf dem CP nieder und essen abends im dazugehörigen Restaurant.

Am nächsten Morgen machen wir uns (wir schaffen es wieder ohne Guide!) in die 3 km-lange und 40 m hohe Mides-Schlucht und genießen auch hier sehr unsere Wanderung. Am Canyon oben steht noch wie in den anderen Bergoasen das alte verlassene und verfallene Dorf.

Von Metlaoui bis Selja fuhr jahrzehntelang die Rote Eidechse. Mit diesem Touristenzug fuhr man eine beeindruckende tunnelbestückte Route über der Selja-Schlucht. Leider wurde die Linie durch starke Regenfälle dermaßen beschädigt, dass sie seither eingestellt ist.

In der Region wird exzessiv Phosphat abgebaut. Am giftigen schwarzen Pulver, das Grundlage für hauptsächlich Düngemittel ist, aber auch für Batterien und Elektroautos benötigt wird, hängen zehntausende Arbeitsplätze. Aber das giftige schwarze Pulver verseucht die Umwelt und verursacht viele Krankheiten bei Mensch und Tier. Von den Minen aus Zentraltunesien wird das Phosphat mit Zügen zur Weiterverarbeitung in die Fabriken bei Gabes transportiert, die Rückstände dort landen im Meer.

So werden wir während unseres Spaziergangs entlang der Bahnlinie vom mit Phosphat beladenen und nicht enden wollenden Güterzug überrascht und sind froh, dass wir uns nicht gerade im Tunnel befinden. Für den Fall war Joschi heute mit Geschirr unterwegs.

Nachdem wir bei Sidi Bouhlel übernachtet haben, werden wir am nächsten Tag während unserer Wanderung durch die dortige Schlucht von der wieder sehr besorgten Polizei eingeholt. Sie wandern mit uns zum Theowald zurück, um dort unsere Papiere zu checken und unseren nächsten Standort zu notieren. Ein bisschen nervig, aber die stets besorgte Polizei und das achtsame Militär ist immer überaus freundlich und versichern jedes Mal, dass die Kontrolle nur zu unserer Sicherheit ist.

Die Fahrt zum Nationalpark Dghoumes ist irgendwann am Wegesrand mit kleinen Kürbissen bestückt und endet dann Eingangstor des Parks. Wir werden dort abgewiesen, da wir in Tozeur keine Erlaubnis eingeholt haben. Mit den dortigen Rangern ist auch keinerlei Kommunikation möglich, da sie ausnahmslos arabisch sprechen.

Bei der Rückfahrt nach Douz, vorbei an Reiterübungen und dem Gefängnis von Nefta noch ein kleiner Abstecher im Mos Espa. Dort wird gerade der Nationaltag mit Musik und Tanz gefeiert. Unser Schlafplatz ist heute neben dem eines Kamels. Wie schon beschrieben, nächtigen die Tiere hier angebunden an ihren Plätzen, während ihre Besitzer in Nefta oder Tozeur wohnen und schlafen. Am nächsten Morgen bekommen wir sehr netten Besuch eines Berbers mit seinem Kamelkameraden, die sich neben uns niederlassen. Für uns eine sehr berührende Begegnung, an die wir uns gerne erinnern werden