Douz, Wüste und Festival, 18.Dez - 2.Jan 25

Wieder zurück in der Oasenstadt Douz decken wir uns wieder mit den superleckeren tunesischen Mandarinen und Orangen ein und fahren mit einigen anderen in die Wüste. Leider müssen wir aber am Nachmittag wieder umkehren, da uns die Polizei ohne eine vorher eingeholte behördliche Genehmigung eine Weiterfahrt in den Süden verweigert. Diese Kontrollen werden sporadisch durchgeführt. Mal hat man Glück, mal keines. So genießen wir halt noch einen gemütlichen Abend mit Lagerfeuer am Rand einer Düne und sind dann am nächsten Tag wieder auf dem CP. Video und Blog machen, Wäsche waschen, andere Autos frei ziehen, die Kollektoren säubern und diese und jene kleine Reparatur und Optimierung an Theowald. Abends gehen wir essen oder holen uns etwas „à porter“. Für ein paar Euro genießen wir die leckersten Speisen. An Weihnachten kocht Sophie, der der CP gehört. Sie kommt aus Frankreich und betreibt das Camp nun schon 26 Jahre. Sie ist taff, bestens organisiert, herzensgut und will nie wieder nach Cannes zurück. Wir feiern den Heiligabend also nicht alleine, sondern mit anderen Reisenden und einem leckeren tunesischen Mehrgängemenü.

Donnerstags ist immer Viehmarkt gleich nebenan. Hier wird den ganzen Vormittag vorwiegend mit Schafen, aber auch mit Kamelen, Pferden, Ziegen, Kaninchen, Hühnern, Wachteln und Tauben gehandelt. Die Tiere werden nicht gerade mit Samthandschuhen angepackt, aber doch auch nicht unnötig rüde, so wie wir es in Marokko erlebt haben. Manches Tier wird auch hin und wieder sogar gestreichelt und wir haben den Eindruck, dass die Tiere doch einen Wert für die meisten Menschen haben und dementsprechend behandelt werden. Alle Tiere sind an Stricken festgebunden, die Zicklein und Lämmer laufen manchmal frei, da sie sich sowieso nicht weit von Mama entfernen. Mit Transportern und anderen Klapperkisten mit Ladefläche werden die Tiere gebracht, manchmal kommen sie voll und fahren leer, manchmal umgekehrt. Es ist ein großes Gemähe und Meckern, aber die Tiere sind relativ ruhig, geduldig und scheinen nicht übermäßig gestresst, was man von den Tiertransporten bei uns ja nicht unbedingt behaupten kann.

Vier Tage lang, vom 26. Bis 29. Dezember, dauert das diesjährige Sahara-Festival in Douz. An mehreren Orten in der Stadt gibt es Spektakel, Aufführungen, Musik und Tanz und Wettbewerbe für Geschichtenerzähler. Die Hauptaustragungsstätte ist am Tor zur Sahara. Hier finden auch Kamel-, Pferde- und Hunderennen statt und ein Kamelmarathon mit 42 km. Delegationen aus ganz Tunesien und anderen Ländern nehmen mit traditionellen Darbietungen teil. Auch viele Libyer*innen besuchen das Fest. Das Schöne ist, dass es sich bei dem Festival nicht um eine touristische Aufführung handelt, sondern um eine traditionelle und originär tunesische Veranstaltung, vornehmlich für die eigene Bevölkerung. Nach drei Tagen Chaos, Staub, Gedrängel und sich ähnelnden Vorführungen haben wir jedoch genug Festivalfeeling. Wir verabschieden uns von Sophie und machen uns nicht aus, sondern in den Staub, nämlich weiter in den Süden der Sahara.

Erstes Ziel ist Ksar Ghilane, von wo aus zahlreiche Wüstentouren per Quad oder auf einem Kamelrücken angeboten werden. Das Tohuwabohu in dem Touriort ist unbeschreiblich. Eine unendliche Anzahl an Tourist:innen vom Baby- bis zum Greisenalter, Guides, Geländefahrzeugen und Quads schwirren durch die Szenerie, manche vergnügen sich in den heißen Quellen und alle wollen in die Wüste. Der dicke Theowald hat einige Mühe, sich durch die Menge bis zum Anfang der Dünen durchzuarbeiten. Von dort aus geht’s über die Sandberge bis zur Festungsruine von Tisavar. Dort suchen wir uns ein Plätzchen und warten bis alle über alle Berge sind. Dann sind wir allein. Der Sonnenuntergang taucht den Wüstensand in ein spektakulär leuchtendes Rot, die absolute Stille der Nacht und das Sternenmeer am Himmel sind unbeschreiblich.

Zwei Tage lernen wir, Theowald durch die Sahara zu steuern, durch Dünenfelder und über kleine Dünen hinweg – Achterbahn im Wüstensand. Wir fahren durch unendlich scheinende Ebenen, verfahren uns hier und da und finden aber auch immer wieder auf befahrene Pisten zurück. Nach Holterdipolters gibts hin und wieder dann auch schöne Bescherungen in der Kabine, weil Sachen in dem einen oder anderen Schrank meinen, sich befreien zu müssen.

Der Sand der „Grand Erg Oriental“ ist feiner als Puderzucker, so fein, dass sich keine Körner mehr erkennen lassen. Ein Pulversand, der durch kleinste Ritzen weht und von dem man im Theowald auch noch Tage danach eine staubige Erinnerung hat. Auf der Rückfahrt kommt auch wieder Wind auf, der sich glücklicherweise nicht zum Sandsturm entwickelt. Den hatten wir in Marokko – nicht sehr angenehm.

Wieder im Camp in Douz angekommen, wird ausgiebig geduscht, gewaschen und das Autochen wieder lungenfreundlich und bewohnbar auf Vordermann gebracht. Außerdem gibt’s am Silvesterabend ein schönes Lagerfeuerchen und Glühwein mit den Nachbarn und Punkt 12 ein Gläschen Sekt. Und das Beste: nicht das kleinste Knallerchen stört den Frieden und so rutsche ich – meiner Erinnerung nach – das erste Mal im Leben völlig feinstaub- und lärmfrei ins neue Jahr. Joschi ist begeistert und wir finden das einfach nur herrlich!

Am Markttag frischen wir noch unsere Vorräte an Obst und Gemüse auf, verabschieden uns von unseren Reisefreund:innen und von Sophie und Berschied und fahren frischbetankt in nördliche Richtung, dem Nationalpark Bou-Hedma und neuen Abenteuern entgegen.